Projekt 2026-0331
KLEIN Modellbahn 0331 - ÖBB BR 1046
Stichworte: Zinkpest, Rückbau Oberleitungsbetrieb, Neuverkabelung, Wartung, optische Verschönerung
Erwerb
Diese schöne Lok wurde als Teil eines ÖBB-Konvoluts von Bastlerloks auf Kleinanzeigen.de erworben. Laut Beschreibung fuhr Sie nicht und wurde deshalb als "defekt" verkauft.
Doch um welche Lokomotive handelt es sich eigentlich?
Die Firma KLEIN hat eine bewegte Geschichte hinter sich und existierte als Modellbahn-Hersteller zwischen 1984 und 2010 bevor die Produktion gestoppt wurde. Seit 2026 ist eine neue homepage online, auf der in unregelmässigen Abständen noch Ersatzteile verkauft werden [3] - naturgemäss werden diese jedoch mehr und mehr vom Markt verschwinden.
Laut bahnwahn.de wurde die Lok 1046 ab 1989 unter der Artikel-Nummer 0331 von KLEIN hergestellt und vertrieben [1]. Alte Original-Kataloge sind sehr schwer zu finden - Sie scheint jedoch 1990 im Hauptkatalog sowie auch auch im Neuheitenblatt selbigen Jahres beworben zu werden [4].
Nun wollen wir mal schauen, was mit diesem schönen Stück nicht stimmt.
Diagnose
Äusserlich ist die Lok in ganz gutem Zustand: Ausser bei den Isolatoren und den Leitungen auf dem Dach, welche teilweise zu fehlen scheinen, man kann auf Anhieb keine Abbrüche erkennen - zwei Sachen fallen jedoch auf: Der die Lok umgebende weisse Streifen ist in den Katalogen und bei ähnlichen Loks auf Fotos reinweiss, während er bei unserer Lok eher schon gelblich geworden ist. Ausserdem kann man in zwei der Ecken des Gehäuses Risse erkennen - diese sollten uns gleich noch beschäftigen.
Jetzt mussten wir erst mal das Gehäuse abbekommen - und das ist bei diesem Modell sehr einfach: Eine einzelne lange Schraube muss von der Unterseite der Lok herausgenommen werden. Hier kann man auch den Umschalter zum Oberleitungsbetrieb sehr gut erkennen.
Im Inneren der Lok fand man dann 2 Motoren, eine Platine auf einem Ballastgewicht sowie jede Menge Kabel wieder - ausserdem ein kleines von einer Art Schrumpfschlauch umgebenes Bauteil mit der Bezeichnung "Herkat 2659". Hierbei handelt es sich um einen Fahrtrichtungsumschalter welcher darauf hindeutet, dass die Lok wohl im Oberleitungsbetrieb zum Einsatz kam.
Ganz interessant anzusehen ist die charakteristische Bauweise dieses Modells: Beide Motoren und die Getriebe sind direkt auf den Drehgestellen montiert.
Die Zahnräder schienen festgefressen und unbeweglich, was auf eine Getriebeblockade hindeutete. Nun fiel noch etwas anderes auf: Der äussere Rahmen schien nämlich nicht mehr gerade, sondern wie eine Banane etwas verbogen zu sein wenn man genau hinsah. Aus diesem Grund gab es auch zum rot-weissen Gehäuse hin an den Enden einen kleinen Spalt.
Nun konnte man die Motoren entfernen indem man die U-förmigen Plastik-Clips entfernt, was den Blick auf die Fahrgestellaufhängungen freigab - und hier konnte man nun deutlich ein Problem erkennen, mit dem dieses Modell und die Firma KLEIN in den 90er-Jahren generell leider zu kämpfen hatten: Die Achsdeckel der Drehgestelle waren nämlich verzogen und rissig, was stark auf interkristalline Korrosion (umganssprachlich "Zinkpest") hindeutet.
Dies war also höchstwahrscheinlich der Grund, warum die Lok nicht mehr lief. Zumindest die Achsdeckel müssen wir also tauschen - höchstwahrscheinlich muss jedoch auch der Rahmen ersetzt werden: Danach konnten wir darauf hoffen, dass die Lok wieder lauffähig wurde. Da sie auf Gleichstrom laufen soll konnten wir auch den Umschalter entfernen und mussten deshalb die Platine wieder neu verkabeln.
Erwerb von Ersatzteilen
Wie bekommt man Ersatzteile für Modelle, deren Hersteller nicht mehr existiert? Manchmal hat man Glück, und es finden sich noch einzelne Ersatzteile in diversen Lagern von Herstellern und Fachgeschäften - wenn es um beliebte Ersatzteile geht, welche oft gebraucht werden (wie von diesem Modell mit einem altbekannten Problem) ist die Wahrscheinlichkeit jedoch fast Null.
Manchmal bilden sich jedoch auch private Initiativen oder findige Bastler welche Ersatzteile selbst herstellen, und sie im Idealfall auch anderen gegen einen Aufpreis zur Verfügung stellen. So gab es für die KLEIN 1046 beispielsweise Initiativen, welche Aluminium- und Messing-Ersatzrahmen herstellten welche sich preislich im oberen Segment befinden, den Zinkal-Rahmen jedoch bestmöglich ersetzen (beispielsweise von JPP) [5][6].
Private Initiativen wie diese jedoch sind oft zeitlich begrenzt und wegen der sehr geringen Stückzahlen mit hohen Lieferzeiten verbunden - oft sind die Leute auch nicht mehr erreichbar.
Ein weiterer österreichischer Kontakt stellte Kunststoff-Ersatzrahmen und Drehgestell-Einsätze (Achsdeckel) für dieses spezielle Modell her - und zwar per 3D-Druck. Dies bedeutete zwar logischerweise weniger Gewicht und dadurch weniger Zugkraft für dieses Modell, aber einen relativ preiswerten Ersatz der sich bewährt hat und mit wenig Nachbearbeitung direkt verwendet werden kann - und wir hatten Glück: Zum Zeitpunkt dieser Reparatur wurden der Rahmen und die Achsdeckel noch aktiv auf diversen Plattformen angeboten und konnte somit erworben werden.
Die Teile kamen mit Anleitung zum Einbau sowie anderen hilfreichen Tipps und Informationen - beispielsweise Kontakten für KLEINBAHN-Ersatzteile falls man defekte KLEINBAHN-Lokomotiven zu Hause hatte welche Ersatzteile benötigen die auf diversen Marktplätzen nicht mehr erhältlich sind (siehe Referenzen [7][8][9] am Ende dieser Seite).
Nun werden wir schauen ob alles so funktioniert wie der Hersteller der Ersatzteile behauptet - zunächst jedoch müssen wir unsere Lok weiter zerlegen.
Reparatur und Reinigung der Drehgestelle
Durch das Entfernen von weiteren Halteklammern und Zurseite-Schieben des Kabelsalats der Platine konnte man die Motoren und danach die Drehgestelle ausbauen.
Auch auf dem Ballastgewicht konnte man Risse erkennen - da es sich um keinen tragenden Bauteil handelt, ist dies dort jedoch weniger relevant. Der Rahmen zeigte zwar keine Risse - das Verbiegen (und die dadurch entstandenen Risse im Gehäuse) deuten jedoch darauf hin, dass auch hier der Zustand nicht mehr so ist, wie er ursprünglich angedacht war.
Als nächstes können wir den Umschalter von der Platine abklipsen den wir für DC-Betrieb nicht mehr benötigen - Die losen Kabel müssen später wieder entsprechend angelötet oder ganz entfernt werden.
Nun können wir auch im Detail durch viele Risse erkennen, dass die Getriebedeckel von der Zinkpest betroffen sind. In diesem Fall jedoch wurden nicht nur die Deckel selbst, sondern auch die umliegenden Drehgestellrahmen in Mitleidenschaft gezogen: Durch die Ausdehnung der Deckel infolge der Zinkpest wurde der Plastik-Rahmen nämlich wie eine Banane verbogen. Dies könnte einer der Hauptgründe sein, warum die Lok blockiert.
WIr können auch erkennen, dass nur eines unserer Drehgestelle eine Sechskantmutter zur Sicherung des Doppel-Getriebezahnrads besitzt - dies ist wahrscheinlich nicht so gewollt: Wahrscheinlicher ist, dass die Mutter irgendwann verloren ging - wir werde sie also später ersetzen.
Die Drehgestelle kann man durch das Lösen einer Einzelschraube von der Unterseite weiter zerlegen, der Getriebedeckel geht dadurch ab. Auf den Getriebedeckel aufgeklipst sind auch noch die Stromabnahmefedern welche man gemeinsam mit ihrem Plastikrahmen ebenfalls relativ problemlos abnehmen kann. Gleich nach dem Zerlegen war es um den alten Getriebedeckel dann auch schon geschehen - er zerbröselte quasi von selbst.
Müssen wir also auch die Drehgestellrahmen tauschen? Idealerweise ja - aber nicht unbedingt: Hier rät der Hersteller der Ersatzgetriebedeckel zu einer simplen, aber effektiven Lösung: Man kann die Plastik-Rahmen nämlich durch konstanten Druck über längere Zeit wieder "zurückbiegen" und dadurch wieder annähernd in den Ausgangszustand zurückbringen - beispielsweise durch Klemmen oder einer Schraubzwinge, die man mittig auf den Gestellen anbringt und ein paar Wochen stehenlässt. Das werden wir ebenfalls ausprobieren und hoffen darauf, dass sich der gewünschte Effekt schlussendlich einstellen wird. Dabei muss man klarerweise aufpassen, dass man beim Festklemmen die eher filigranen Plastikzahnräder nicht beschädigt.
Ein paar Wochen später konnte man tatsächlich einen vorher-nachher-Effekt beobachten: Die Drehgestelle schienen nun deutlich "gerader" zu sein als vor der Operation.
Mit diesen Drehgestellen kann man also hoffentlich in Zukunft wieder arbeiten.
Nun können wir uns daran machen, die Drehgestelle weiter zu zerlegen. Zuvor müssen noch die werkseitig eingestellte Spurbreite eruieren - diese beträgt rund 13.9mm. Außerdem stellen wir formhalber noch den Modul des Zahnradsystems fest - dieser ist laut unserer Modullehre m=0.5.
Die Räder sind beidseitig auf die Achsen aufgepresst - sie lassen sich also durch ein Richtgerät lösen: Dieses gibt es beispielsweise von der Firma Fohrmann für relativ wenig Geld zu kaufen [10].
Die beiden Zwischenraum-Zahnräder werden von den Rädern in Position gehalten. Das kleine, mittige Zahnrad wird von einer Spannzange fixiert welche man beispielsweise mit einer Pinzette oder einer Nagelschere und einem kleinen Schraubenzieher ganz gut lösen kann wenn man gerade kein Spezialwerkzeug zur Hand hat.
Danach geht es für alle Kleinteile für 24 Stunden ins SR24-Modellbahnöl-Bad.
Die Schmutzbrühe danach kann man, wie immer, durch einen Kaffeefilter laufen lassen und somit nach Ausfiltern der grösseren Verunreinigungen gut wiederverwenden.
Nun werden alle Teile mit einer Zahnbürste nachgereinigt und in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengesetzt.
Um unser Leben etwas leichter zu machen werden wir vor dem Aufpressen der Räder unser Leben noch etwas einfacher machen: KLEIN-Achsen sind manchmal verhältnismässig dick - in unserem Fall genau 3,0mm. Da die Aussparung im Richtgerät ebenfalls 3mm beträgt ist die Montage der Räder sehr schwierig: Deshalb wird die zentrale Öffnung des Richtgeräts auf 3,1mm aufgebohrt.
Auch die neuen Kunststoff-Getriebedeckel passen glücklicherweise genau auf auf den Drehgestellrahmen. Bei genauem Hinsehen kann man dann auch die Schichten erkennen mit welchem der 3D-Drucker die Filamente der Geometrie Schicht für Schicht aufgeschmolzen hat.
Vor dem Einführen der Achsen in den Drehgestellrahmen werden diese noch mit harzfreiem Spezial-Schmieröl eingeölt.
Den Spannring kann man mit einer Pinzette wieder aufziehen. Auch die Achse des Doppelzahnrads gehört natürlich geschmiert - in diesem Fall ist die Lauffläche die lange Schraube. Schliesslich werden auch alle Zahnflangen der Plastik-Zahnräder wieder neu eingefettet - beispielsweise mit Spezialfett für Plastikverzahnungen.
Die Presspassungen zwischen Achsen und Rädern können altersbedingt etwas ausleiern: Hier kann man vorsorgen, dass die Spurweite konstant bleibt und die Räder an den Achsen dranbleiben indem man einen kleinen Tropfen Schraubensicherung aufträgt. Hier muss man aufpassen, dass der Kleber nicht in die Achslagerungen hineinläuft - ausserdem sollte die Klebestelle zuvor so gut wie möglich entfettet werden.
Nun können wir uns um die Stromabnahme-Federn kümmern welche später in den neuen Kunststoff-Getriebedeckel eingeklipst werden. Diese sind noch alle leitend miteinander verbunden da die Lok davor im Oberleitungsbetrieb gefahren war: Die Verbindungskabel gehören also nun wieder abgekappt um die Trennung zwischen linken und rechten Strompolen wiederherzustellen. Die Kabel kann man leider nicht wiederverwenden da sie etwas kurz sind.
Die Stromabnahme-Federn selbst müssen auf den Laufflächen der Räder aufliegen und dürfen während Installation und Betrieb nicht in den Zahnrädern enden. Dies ist schwieriger als es aussieht da die Federn sehr dünn sind und sich sehr leicht verbiegen - hier ist also Vorsicht angebracht.
Nach dem Aufklipsen des Motors auf die Drehgestelle konnten wir nun einen kurzen Getriebetest durchführen indem man die Motoren von der Platine aus mit Strom versorgte. Man konnte zwar festellen, dass die Getriebe generell funktionierten - jedoch gab es eine starke Geräuschentwicklung [11]. Dies deutete darauf hin, dass die Getriebezahnräder irgendwo schleifen könnten oder etwas nicht richtig ausgerichtet war.
Getriebejustierung
Auch in der Anleitung des Herstellers der Ersatz-Getriebedeckel wurde erwähnt, dass es zu Komplikationen kommen kann - man muss daher an bestimmten Stellen das Plastik wegschleifen oder wegfräsen damit die Zahnräder wieder frei laufen konnten.
Eine dieser Stellen ist der nächstgelegene Punkt des grossen Zahnrads zur Drehgestellblende. Hier kann es wohl häufig vorkommen, dass die Zahnradflanken mit dem Querbalken der Blende kollidieren. Hier können wir also 2-3mm wegschleifen, um diese Gefahr zu reduzieren - aufgrund der Härte des Plastiks ist dies mit der Hand schwierig: Es bietet sich ein Bohrschleifer an. Die exakte Stelle wird vorher mit einem Marker angezeichnet. Ebenso werden die Getriebedeckel an zwei Stellen modifiziert.
Ein kurzer manueller Rolltest des Drehgestells zeigt daraufhin, dass das Getriebe leider immer noch teilweise zu blockieren scheint, als ob eines der Zahnräder immer noch irgendwo hängen bleibt [12].
Eine weitere Inspektion zeigte, dass die Ursache wohl die verbogene Drehgestellblende ist: Unter Gewicht der Lok kollidierten die Zwischenräder des Getriebes mit den Querverbindungen der Blende da sich der untere Teil im Laufe der Zeit, und wahrscheinlich als Konsequenz der Zinkpest des Getriebedeckels, nach oben verwölbt hat. Wir versuchten, der Wölbung entgegenzuwirken indem wir innen an der Blende Abstandshalter befestigten - beispielsweise Beilagscheiben aus Messing. Diese sollten beim Festziehen der Schraube der Wölbung entgegenwirken.
Leider stellte sich diese Massnahme als unzureichend heraus - woraufhin uns keine andere Wahl blieb, als die Stege abzuschleifen.
Diesmal jedoch konnten wir weder mit der Handfeile, noch mit dem Bohrschleifer an den Steg heran: Wir mussten ihn also vorsichtig abschaben und weghobeln. Dies ging ganz gut mit einem kleinen Cutter-Messer: Man musste jedoch extrem vorsichtig sein, um nicht irrtümlich den ganzen Steg zu durchtrennen. Das Ergebnis war zwar nicht sonderlich schön, aber effektiv: 2-3 Millimeter Material wurden an erwähnter Stelle schlussendlich entfernt.
Vorbeugend wurde auch noch etwas Material an anderer Stelle entfernt - nämlich dort, wo das grosse Getriebezahnrad mit dem neuen Kunststoffrahmen kollidieren könnte. Dies ist vor allem der Fall wenn die Lok um die Kurve fährt: Hier konnte man wieder den Bohrschleifer verwenden und eine kleine, runde Fase abschleifen.
Nun, da alle möglichen Kontaktstellen zu den Zahnrädern entschärft wurden könnte man erwarten, dass das Problem sein sollte - aber leider nein: Die Getriebe blockierten zwar nicht mehr - es gab jedoch immer noch eine deutliche Geräuschentwicklung, die auf ein anderes Problem hindeutete wie ein kurzer Test der beiden Getriebe zeigte [13] [14]. Der Einfachheit halber wurden die Motoren nun von der Platine entfernt, um die Getriebe einfacher testen zu können - diese mussten später sowieso neu verkabelt werden.
Eine mögliche Ursache könnte die Exzentrizität des Zahnrads gegenüber der Getriebeschnecke sein - dann jedoch müsste es nur bei einem der Getriebe zur Geräuschentwicklung kommen.
Da die Zahnräder alle in Ordnung und ohne Risse zu sein schienen und die Getriebe ohne Motor einwandfrei liefen lag jedoch der Schluss nahe, dass es irgendwie an der Schnecke liegen müsste.
Wir erinnerten uns daraufhin daran, dass wir beim erstmaligen Zerlegen der Lok Abstandsplättchen zwischen Motor und Getriebedeckel gefunden hatten welche die Motorneigung und somit die Neigung der Schnecke gegenüber dem Getriebe kontrollierten - konnte es also daran liegen? Ein weiterer Test mit einer Beilagscheibe als Unterlage unter dem hinteren Teil des Motors zeigte dann tatsächlich, dass dies die Ursache für die Geräuschentwicklung zu sein schien - auf einmal liefen beide Getriebe nämlich im wahrsten Sinne des Wortes (fast) reibungslos und mit deutlich weniger Lärm [15][16].
Das Rätsel war also endlich gelöst! Damit die Beilagscheibe nicht während des Betriebs herausrutschte soll sie noch befestigt werden - wofür sich Sekundenkleber anbot.
Nun, da die Getriebe endlich wieder so zu laufen schienen wie sie sollten, konnten wir uns an den weiteren Rückbau und die Neuverkabelung machen.
Neuverkabelung
Unsere Lok ist ein schönes Beispiel für eine ältere, analoge Lok mit zwei Motoren, Oberleitungs-Umschalter, zentraler Platine und beidseitigem Lichwechsel weiss/rot. Viel komplexer werden analoge Loks nicht - wenn man die Verkabelung und den Stromfluss von diesem Modell verstanden hat wird man also auch bei vergleichbaren oder einfacheren Modellen keine Probleme haben. Diese haben zwar eventuell noch ein paar Drosseln oder Kondensatoren mehr im Stromkreis - vom Prinzip her bleibt solch ein Kreis jedoch immer gleich. Sehen wir uns zunächst einmal die in unserer Lok vorhandene Platine an (nach dem Ausbau des Richtung-Umschalters).
Man kann die einzelnen Elemente gut erkennen: In den beiden schwarzen Boxen sind jeweils zwei Glühlämpchen welche mit gelben und grünen Kabeln mit der Platine verbunden sind. Auf der Platine dann münden die zugehörigen Leiterbahnen in zwei Dioden welche in einer Richtung den Strom blockieren, in der anderen Richtung den Strom jedoch durchlassen: Diese Eigenschaft macht sie bei Loks mit Richtungswechsel zu sehr nützlichen Bauteilen. In unserem Fall kann man erkennen, dass die Dioden voneinander verschieden sind - eine wurde also schon mal vom Vorbesitzer ausgetauscht.
Die roten Kabel sind mit den Motorpolen verbunden. Ausserdem kommen noch zwei Kabel vom unter der Lok liegenden Umschalter (durch das Loch im Rahmen), und graue Kabel kommen von den Radschleifern. In dieser Konfiguration (vor unserem Umbau) läuft der Strom zusätzlich auch noch durch den Rahmen selbst: Auch diese Konfiguration ist bei älteren Analog-Loks sehr üblich.
Wenn man versucht, die Leiterbahnen abstrakt nachzuvollziehen und zu skizzieren kommt man also für den vorliegenden Fall etwa zu diesem Ergebnis - der Einfachheit halber ist die Platine hier nicht gesondert dargestellt:
Man sieht also einige "lose Enden" und zu ergänzende Verbindungen, um die Stromkreise wieder zu komplettieren - unter anderem sind die Lämpchen nicht mit dem zweiten Pol verbunden, und auch der zweite Motorpol bekommt von den Stromschleifern keinen Strom geliefert. Am ersten Motorpol tut sich ebenfalls nichts da der Umschalter dazwischen liegt und nicht mit dem Rest des Stromkreises verbunden ist. Doch wie sollte dieses elektrische System eigentlich von Werk aus aussehen?
Hier haben wir nun etwas Glück - und finden just für dieses Modell im Internet Fotos von der Platine in Original-Ausführung ab Werk - und zwar wieder mal dankenswerterweise bei bahnwahn.de - auf der selben Seite, die wir bereits konsultierten, um Informationen über die Zinkpest bei diesem Modell zu bekommen [5]. Mit Hilfe der Fotos der Platine kann man nun versuchen, die ursprüngliche Verkabelung herzuleiten.
Man sieht hier nun ebenfalls gelbe und grüne Kabel welche zur Beleuchtung führen - ausserdem schwarze und rote Kabel zu den Motorpolen sowie blaue Kabel zu den Stromabnehmern auf einer Seite der Lok. Die Stromabnehmer auf der anderen Seite der Lok sind wohl irgendwo mit dem leitenden Rahmen verbunden.
Möchte man die vorliegenden Fotos wiederum etwas abstrahieren und im selben Stil wie oben nachskizzieren kommt man zu folgendem Ergebnis, mit den zu sehenden Farben der Kabel-Isolierungen:
Wir müssen also versuchen, unsere Lok ähnlich zu verkabeln wie in dieser Skizze, auch wenn dies 1:1 nicht möglich sein wird: Wir mussten nämlich den leitenden Rahmen durch einen Kunststoffrahmen ersetzen, weswegen wir die Rahmen-Verbindungen mit zusätzlicher Verkabelung kompensieren werden.
Zunächst aber kümmern wir uns um die Verkabelung der dünnen Stromabnahmefedern der Räder. Hier hat KLEIN gute Arbeit geleistet: Alle 8 Räder haben stromführenden Kontakt zu den Radlaufflächen, was bei richtiger Justierung der Federn zuverlässige Stromabnahme verspricht. die alten, grauen Kabel sind teilweise zu kurz und die Lötverbindungen mäßig ausgeführt: Diese werden nun teilweise erneuert und die beiden kurzen grauen Kabel durch längere, schwarze Kabel ersetzt. Hier muss man sehr aufpassen, dass man die beim Löten die Kabelenden so verlegt, dass sie nicht in den unmittelbar daneben liegenden Zahnrädern enden.
Nun geht es an den Umschalter. Dieser hat die Funktion, zwischen Oberleitungsbetrieb und Gleichstrom-Zweileiterbetrieb umzuschalten: Er hat also zwei Eingänge - einen von der Oberleitung und einen von einem der beiden Schienen - sowie einen Ausgang - nämlich den selektierten Strompfad, den man durch den kleinen Metallschalter selektieren kann.
Eines der Kabel wurde original belassen und zwei neue (ein violettes sowie ein oranges) an den Eingangspunkten angelötet. Um mögliche Kurzschlüsse zu vermeiden wird bei einem der Eingangskabel noch ein Schrumpfschlauch aufgezogen. Auch hier muss man wieder sehr aufpassen, dass das Löten relativ schnell vor sich geht um das Plastik des Umschalters nicht anzuschmelzen.
Dann werden die drei Kabel etwas gestreckt und durch das Ballastgewicht durchgezogen. Auf der anderen Seite werden sie dann später auf der Platine verlötet werden. Das Ballastgewicht wird davor noch durch das passgenaue Loch des gut gefertigten 3D-gedruckten Rahmen mit der Original-Schraube angeschraubt.
Um dem ganzen Aufbau vor der Verlötung der Platine etwas mehr Stabilität zu verleihen werden noch die beiden Kupplungen an den Enden des Rahmens angeschraubt. Die Löcher des Kunststoffrahmens sind so dimensioniert, dass das Gewinde selbstschneidend direkt von den Schrauben erzeugt wird: Ein Vorbohren ist nicht notwendig.
Nun sind die Motoren dran: Auch hier werden die alten Kabel teilweise durch neue Kabel ersetzt werden, was auch das Löten etwas erleichtert: Die alten Kabelstränge ohne Litzen sind nämlich etwas schwieriger zu löten.
Zur Motorwartung ist übrigens zu erwähnen, dass man die Motoren nur sehr schwer aufbekommt: Man müsste, nach Information des Herstellers des Kunststoffrahmens, die kleinen Metallnasen, welche sich mit dem Plastikteil verzahnt haben, zunächst aufbiegen. Danach könnte man (bei gerade stehenden Motorpolen) das Plastikteil herausziehen - und zwar sehr vorsichtig, da es Spiralfedern zu geben scheint welche daraufhin leicht herausspringen. Es ist wohl sehr schwierig, den Motor danach wieder zusammenzubauen - weshalb an dieser Stelle kein Versuch unternommen wurde, die Kohlen zu inspizieren oder die Motoren innen zu reinigen.
Nun werden die Drehgestelle wieder in den Rahmen hineingefädelt, die Motoren wieder auf die Drehgestelle aufgesetzt und temporär festgeklipst. Die drei Kabel vom Umschalter werden anschliessend auch durch die dafür vorgesehene Öffnung in der Platine gezogen - und man kann jetzt schon erkennen, dass dies ein ganz schöner Kabelsalat werden wird - was durch die sehr begrenzten Platzverhältnisse bei dieser Lok noch zusätzlich erschwert wird. Auch die letzte Gelegenheit, noch etwas mehr Schmierfett auf die Zahnräder aufzutragen und die Motorlager zu ölen wird noch genutzt bevor dies immer schwieriger werden wird.
Hier nun bemerken wir ein weiteres, kleines Detail welches später zu Problemen führen könnte: Die grossen Zahnräder des Getriebes könnten nämlich auch mit dem Kunststoffrahmen kollidieren - und zwar an der Stelle direkt unter dem Ballastgewicht. Auch hier entfernen wir daher vorbeugend etwas Material damit es später zu keinen Problemen kommt - im schlimmsten Fall würde das Getriebe blockieren und/oder das Zahnrad kaputt werden.
Für das Löten auf der Platine behelfen wir uns mit einer "Dritten Hand" welche die Platine fixiert. Anschliessend löten wir ein Kabel nach dem anderen an - gemäss dem obigen Original-Schaltplan. Aufgrund der sehr engen Platzverhältnisse auf der Platine bietet es sich an, gegebenenfalls Vorverzinnung der Litzen vorzunehmen und Lötpaste auf den Lötstellen zu verwenden um das Fliessen des Lots in die richtige Richtung etwas zu erleichtern.
Das erste Kabel wurde sogleich falsch angelötet wie wir erst später bemerkten: Die Stromzufuhr von der Oberleitung führt nämlich nicht durch das violette, sondern das orange Kabel. Gottseidank ist die Platine noch in ausreichend gutem Zustand, um solche Fehler gut aufzunehmen.
Die Kabel zu den Motorpolen werden direkt auf die vorstehenden Pole gelötet. Auch hier muss man etwas aufpassen, um das umliegende Plastik nicht irrtümlich wegzuschmelzen.
Dann wird die "graue" Kabel-Seite der Radstromabnahmefedern auf die Platine gelötet - und zwar auf jener Leiterbahn welche im Original-Schema mit dem Umschalter verbunden ist. In unserem Fall ist dies die Leiterbahn, auf der das violette Kabel anliegt: Inzwischen wurde unser vorheriger Fehler korrigiert und das orange Kabel stattdessen mit der Stromquelle der Oberleitung verbunden.
Schliesslich müssen noch alle Elemente welche im Originalschema mit dem Metallrahmen verbunden waren ebenfalls Teil des Stromkreises werden. Im Falle der "schwarzen" Kabel-Seite der Radstromabnahmefedern werden diese einfach auf der Platine neben den beiden passenden roten Motorpol-Kabeln aufgelötet: Der ehemalige leitende Rahmen wurde nun also quasi durch eine Direktverbindung überbrückt.
Jetzt bietet sich ein kleiner Zwischentest an - und siehe da: Tatsächlich läuft unser Konstrukt einwandfrei vorwärts/rückwärts auf dem Rollenprüfstand: Wer hätte das gedacht [17]..
Licht war jedoch, logischerweise, noch nicht zu sehen: Auf hier mussten wir erst noch die "Ersatz-Rahmenverbindung" herstellen und die Leitung des ehemals metallisch leitenden Rahmens überbrücken. Hier gibt es wiederum mehrere Möglichkeiten - eine der einfachsten ist es, die Überbrückung von den Lämpchen nicht zur Platine herzustellen, sondern zu den passenden Motorpolen. Dies spart Platz und Kabellänge, und der Effekt ist genau der selbe. Hierzu werden zunächst Kabel an den Motorpol gelötet welche dann am anderen Ende an die zurzeit losen Enden der beiden Lämpchen angelötet werden.
Nun sollte es also Licht geben - und siehe da: Nichts tat sich. Die Lämpchen selbst waren jedoch funktional, wie ein Test mit dem Labornetzteil zeigte. Woran könnte dies also liegen?
Die üblichen Verdächtigen in diesen Fällen sind die beiden Sperrdioden auf der Platine - und eine kurze Nachprüfung zeigte, dass die diese tatsächlich defekt waren. Sie sollten nämlich ich nur Strom in einer Richtung durchlassen, nicht jedoch in die andere. Wenn also Strom in beide Richtungen fliessen kann oder in keine der beiden Richtungen, dann sind die Dioden kaputt - in unserem Fall gab es gar keinen Stromfluss in beiden Richtungen.
Beide Dioden sollten eigentlich auch baugleich sein - der Fakt, dass sie verschiedene Modelle waren lässt darauf schliessen, dass zumindest eine der Dioden schon einmal ausgetauscht werden mussten.
Was also tun? Glücklicherweise sind derartige Dioden sehr einfach auf dem Markt zu finden, und für H0 DC-Lokomotiven kommen mehrere handelsübliche Modelle in Frage. Wir haben zwei verschiedene Diodentypen in unserem Vorrat welche wir hier verwenden könnten - nämlich jene des Typs 1N4007, welche grau-schwarz und etwas grösser sind, sowie Dioden des Typs 1N4148 in orange-bräunlicher Farbe.
Aufgrund des sehr begrenzten Platzes auf der gepackten Platine entscheiden wir uns für die 1N4148. Die Füsschen werden zurechtgestutzt und dann in selber Orientierung wie die früheren Dioden auf die Platine gelötet. Davor muss man die kaputten Dioden noch ablöten und, falls möglich, auch das alte Lötzinn noch entfernen.
Nun ist die Platine fertiggelötet. Zum Schutz gegen Kurzschlüsse werden bestimmte Bereiche nun noch mit isolierendem und hochfestem Kapton-Band abgedeckt: Zunächst der Zwischenraum zwischen Platine und Ballastgewicht, auf Höhe der kleinen Kabelkanäle, und anschliessend auch noch die Lötpunkte am Rand der Platine.
Aufgrund der engen Platzverhältnisse werden die Kabel mit kleinen Drähten nun etwas sortiert und gebündelt - später können wir sie bei Bedarf noch kürzen - oder auch verlängern: Wir bemerken nämlich, dass einige der Kabel etwas kürzer sind als gedacht. Vor allem die gelben und grünen Kabel einer Seite welche die Platine mit den Lämpchen verbinden sind fast etwas zu kurz - doch woran kann das liegen? Diese speziellen Kabel hatten wir ja nicht ersetzt, sie hatten also noch die Original-Länge.
Die Antwort ist: Wir hatten bei der Orientierung des Ballastgewichts und der Motoren leider einen Fehler gemacht und das Gewicht um 180 Grad verdreht. Dies scheint zunächst keine Auswirkungen zu haben und blieb auch lange unbemerkt - der Fehler war jedoch offensichtlich, wenn man versucht, das Gehäuse aufzusetzen: Die Stromfeder von der Oberleitung muss nämlich den entsprechenden Bereich auf der Platine berühren, war jedoch auf der falschen Seite - die Stromfeder würde den Bereich "rechts" also verfehlen weil sie "links" auf der Platine zum Liegen käme!
Wäre das Ballastgewicht um 180 Grad gedreht, würde die Befestigungsschraube des Gehäuses auf der anderen Seite verlaufen. Man müsste das Gehäuse dann also ebenfalls um 180 Grad drehen, und dann würde die Stromfeder auf der richtigen Stelle der Platine zum liegen kommen.
Nun gibt es ein paar Möglichkeiten, diesen Fehler zu korrigieren. Die "korrekteste" Möglcihkeit wäre, alle Kabel nochmals aufzulöten, ales richtig hinzudrehen und dann alles wieder anzulöten - was vor allem viel Arbeit bedeutet. Wir werden daher versuchen, das Problem auf andere Art zu lösen: Wir biegen einfach die Stromfeder auf die andere Seite des Gehäuses. Dies ist zwar nicht die feine Art, sollte aber trotzdem funktionieren. Somit kann alles beim Alten bleiben - ausser eben die Längen vereinzelter Kabel, welche später tatsächlich noch zum Problem werden sollten.
Drei Kabel müssen von jedem Lämpchen zur Stromversorgung geführt werden - was im Bereich der Lichtleiter ein kleines Problem darstellt: Die Platzverhältnisse zwischen der Plastikfassung der Lämpchen, den Lichtleitern und dem Gehäuse der Lok sind nämlich prekär. Einer der Gründe, warum die dünnen Drähte der Lämpchen direkt mit den gelben und grünen Stromkabeln verlötet wurden und sich keinerlei zusätzliche Isolierung darüber befindet (was Kurzschlüssen vorbeugt) ist wahrscheinlich, dass es zwischen der schwarzen Plastikfassung der Lämpchen und dem Gehäuse nur wenige Millimeter Platz gibt.
Der Plastikfassung muss sowohl korrekt in den Lichtleitern zu liegen kommen als auch auf dem Ersatz-Kunststoffrahmen in die korrekte Position gedrückt werden - was vor allem mit dem zusätzlichen Kabel, welches den leitenden Rahmen überbrückt, sehr schwierig ist. Eine Option wäre es, die Fassungen mit einem kleinen Tropfen Klebstoff in richtiger Position festzukleben - eine formschlüssige Verbindung wollen wir an dieser Stelle jedoch, falls möglich, vermeiden. Deshalb schneiden wir mit einem Cutter einen kleinen Teil an einer Seite der Plastikfassung aus, um das zusätzliche, schwarze Kabel besser um die Fassung herumleiten zu können. Dies funktioniert ganz gut: Der eher steife Schrumpfschlauch lässt sich nun deutlich besser in Position biegen.
Nun können wir versuchen, alles zusammenzubauen - was nach einigem Herumgewurschtel auch funktioniert: Ein kleiner Spalt ist jedoch zwischen Rahmen und Gehäuse zu sehen was darauf hindeutet, dass sich im inneren irgendwo Kabel dagegen sträuben, in die richtige Position gedrückt zu werden.
Auch ein anderes Problem macht sich beim Probelauf bemerkbar: Bei Vorwärtsfahrt leuchtet nämlich das vordere Licht der Lok rot, und das hintere weiss.. und bei Rückwärtsfahrt genau umgekehrt. Dies ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die Platine ja um 180 Grad verdreht war. Was kann man nun machen, um das Licht wieder "richtig herum" zu polen?
Hier gibt es wieder ein paar Möglichkeiten: Wir entscheiden uns dafür, die Durchflussrichtung der beiden Dioden einfach umzukehren und somit die Dioden verkehrt herum einzubauen. Gesagt, getan - zur Sicherheit verwenden wir gleich 2 neue Dioden dafür und löten sie nun mit der schwarzen Markierung anders herum als zuvor auf der Platine wieder ein.
Und wenn wir schon beim Löten sind können wir auch gleich die Länge von verschiedenen Kabeln anpassen und sie etwas kürzen: Vor allem zwei Motorpole, das Kabel zwischen Umschalter und Oberleitungs-Stromquelle sowie die schwarzen Kabel welche vom Lämpchen an die Motorpole kommen gehören etwas gekürzt, um uns ein Kuddelmuddel zu ersparen und auch die Gefahr zu reduzieren, dass diese Kabel jeweils in den Zahnrädern des Getriebes landen.
Nun versuchten wir nach erfolgreicher Kürzung wieder, das Gehäuse aufzusetzen - und dabei passierte ein Malheur: Einer der Lichtleiter brach nämlich einfach ab! Das war natürlich sehr unglücklich, jedoch zugegebenermassen auch etwas selbstverschuldet: Bis zuletzt hatten wir nämlich die Überzeugung, dass die beiden etwas zu kurzen Kabel zu einem der Lämpchen keine Probleme verursachen würden. Taten sie schlussendlich aber doch: Beim Aufsetzen des Gehäuses konnten sie sich nämlich aufgrund der fehlenden Millimeter Kabellänge nicht um die Lichtleiter legen und drückten stattdessen auf die weissen Leiter. Als wir dann versuchten, das Gehäuse hinunterzudrücken brach ein Teil davon fast zwangsläufig eben ab.
Was kann man nun tun, falls kein Ersatz zur Hand ist? Man kann versuchen, den defekten Lichtleiter beispielsweise mit transparentem Plastikkleber einfach wieder anzukleben: Im besten Fall merkt man vom Bruch danach nicht viel. So war es bei uns dann gottseidank auch: Selbst ein gebrochener Lichtleiter kann also noch Licht durch die Trennfläche leiten, nur eben nicht mehr mit 100% der Lichtleistung.
Eines der Hauptprobleme von Plastikklebern mit feiner Kanüle ist, dass diese leicht verstopft. Man kann sie normalerweise ganz gut freibekommen indem man sie kurzzeitig erhitzt - beispielsweise mit einem Feuerzeug. Eine andere Möglichkeit ist übrigens auch, ein dünnes einadriges Kabel herzunehmen: Die Steifigkeit reicht normalerweise aus, um die Kanüle von verhärteten Kleberesten wieder freizuputzen.
Zugegebenermassen ist Modellbau-Plastikkleber nicht unbedingt die beste Wahl in Bezug auf Klebefestigkeit: Alternativ kann man auch 2-Komponenten-Kleber, Sekundenkleber oder Epoxidharz verwenden - er muss nur transparent sein, um eine gewisse Lichtdurchlässigkeit zu garantieren.
Nun gehören noch die gelben und grünen Kabel etwas verlängert damit nicht gleich wieder das selbe Problem auftritt. Um die Kabel nicht von den dünnen Drähtchen der Lampen ablöten zu müssen sollen sie einfach eine kleine Verlängerung bekommen. Dazu werden sie zunächst mit den Fingernägeln abisoliert. Dann wird ein kleiner Schrumfschlauch aufgezogen, und die Enden werden miteinander verlötet.
Jetzt sollte aber alles passen - und tatsächlich: Beim Aufsetzen und Verschrauben des Gehäuses ist nun kein Spalt mehr zu sehen. Es ist also Zeit für unsere finale Testfahrt: Würde alles so funktionieren wie wir uns das vorstellen?
Die Antwort lautet glücklicherweise - ja! Die Lok fuhr überraschend problemlos und zuverlässig, sogar über die Weichenbereiche ohne jegliches Ruckeln - sie war technisch also nun wieder voll instandgesetzt [19].
Optisch gab es noch eine Kleinigkeit zu tun - wie bereits bei der Diagnose erwähnt sind die Dachisolatoren und Drähte leider abgebrochen, was das Dach etwas unschön aussehen lässt. Hier kann man zumindest versuchen, die Optik etwas zu verbessern indem man rote Ersatzdrähte anklebt. Zunächst müssen wir jedoch herausfinden, wie die Originalverdrahtung aussah. Hier hilft uns gottseidank das Internet ganz gut aus: Wir konnten einige Bilder von anderen KLEIN 1046 finden welche den Dachbereich zeigen [1][20}. Dort sieht man ganz gut, dass es einen langen Draht von einem Stromabnehmer zum anderen, sowie einen kürzeren Draht im Winkel von 90 Grad neben einem der Stromabnehmer geben sollte.
Nun behelfen wir uns für den Ersatzdraht mit rotem Litzenkabel welches zunächst grob auf Länge gebracht und dann auf die noch vorhanden Dach-Isolatoren geklebt wird - und zwar eine Klebestelle nach der anderen, mit Sekundenkleber (LOCTITE 401).
Da am Ende des kurzen Kabels kein Isolator mehr vorhanden ist wird das Ende des Drahtes einfach nach unten gebogen und mit mattschwarzer Farbe angemalt. Falls man irgendwann einmal einen Ersatz-Dachisolator zur Verfügung haben sollte kann dieser an jener Stelle aufgeklebt werden.
Nun war unsere schöne 1046 also auch optisch wieder auf Vordermann und erstrahlt wieder in (fast) vollem Glanz - nach einem langwierigen Projekt kann sich das Resultat aber durchaus sehen lassen: Der Aufwand hat sich auf alle Fälle gelohnt!
~HS~
Referenzen
[1] bahnwahn.de - KLEIN ÖBB 1046 007-9 - http://www.bahnwahn.de/steckbrief/kmoebb1046007-9/
[2] Wikipedia - KLEIN Modellbahn - https://de.wikipedia.org/wiki/Klein_Modellbahn
[3] KLEIN Modellbahn Webpräsenz (nicht offiziell) - https://www.klein-modellbahn.at/index.html
[4] Bahnmuseum - Alte Kataloge österreichischer Hersteller - http://www.bahnmuseum.at/KBKat.htm
[5] bahnwahn.de - KLEIN 1046 Rahmen - http://www.bahnwahn.de/ddkmoebb1046rahmen/
[6] bahnaustria/JPP - KLEIN 1046 Messingrahmen - https://www.bahn-austria.at/k_zub087_diverses.htm
[7] Ersatzteile für zinkpest-geschädigte Kleinbahn/KLEIN Modellbahn Metallteile aus Kunststoff (PETG) - Anfragen unter kleingeschaedigt@aon.at
[8] Ersatzteile und Zubehör, KLEIN Modellbahn - www.klein-modellbahn.at - Kontakt: Leo Pirkfellner oder Fr. Pfneisl, Ersatzteile abseits des shops
[9] Anfragen für Messingrahmen für diverse Kleinbahn/KLEIN Modellbahn-Modelle: jpp.modellbau@gmail.com
[10] Fohrmann Werkzeuge - Radsatz-Richtgerät für Modelleisenbahnen - https://www.fohrmann.com/de/radsatz-richtgeraet-fuer-modellbahn-spur-h0.html
[11] Reihe 1046 - Getriebetest auf Drehgestellen - https://www.dropbox.com/scl/fi/f8q3rx90vieokb2hkolgm/Reihe-1046-Motortest-auf-Drehgestellen.mp4?rlkey=ppjpl9n08d5a932o8xc9uucia&st=5zpvhj8t&dl=0
[12] Reihe 1046 - Rolltest Drehgestell - https://www.dropbox.com/scl/fi/geerjvdpmzwt09ctgdwrb/Rolltest-Drehgestell-Reihe-1046.mp4?rlkey=kf6pk2lxbxb3t2k0qas26o5vd&st=09ocy4dm&dl=0
[13] Reihe 1046 - Getriebetest vor Justierung 1 - https://www.dropbox.com/scl/fi/o0ax57s82ns2yd6vtkt3e/Getriebetest-vor-Justierung-1.mp4?rlkey=8rw2gzivi31yk8bvtskxdkyl0&st=xj64lojm&dl=0
[14] Reihe 1046 - Getriebetest vor Justierung 2 - https://www.dropbox.com/scl/fi/7osc3c988quw4un3nzx65/Getriebetest-vor-Justierung-2.mp4?rlkey=t7u7dss9s21q4owznjx8wuxvc&st=noyyy57k&dl=0
[15] Reihe 1046 - Getriebetest nach Justierung 1 - https://www.dropbox.com/scl/fi/i2t7i22p6g2so3d7hdkmp/Getriebetest-nach-Justierung-1.mp4?rlkey=q3hwudm6n5oifkldp7tiwcrho&st=9z4epqdf&dl=0
[16] Reihe 1046 - Getriebetest nach Justierung 2 - https://www.dropbox.com/scl/fi/sb25rb3jyul4gkjsr6wbg/Getriebetest-nach-Justierung-2.mp4?rlkey=0m1l6ik6lri2w63zp8eu2a8qn&st=nb2zld0o&dl=0
[17] Zwischentest der 1046 nach teilweiser Neuverkabelung - https://www.dropbox.com/scl/fi/t44cik4j0np0s08krzyl7/Zwischentest-1046.mp4?rlkey=1dpykrusceywxqzx4lw1hv0p3&st=psq2sqpx&dl=0
[18] Zerberus Modellbauseite - Dach-Ansicht einer 1046 - https://www.deutec.at/modellflug/lokomotiven/1046-kmb/e1046_umpol.html
[19] KLEIN Modellbahn - Finale Testfahrt - https://www.dropbox.com/scl/fi/ahkzwm7vm0gf4hf85znap/KLEIN-1046-Finale-Testfahrt.mp4?rlkey=amvi9uq7ohqq6to72tx58wonh&st=sosyhfwk&dl=0
[20] Die ZERBERUS Modellbahnseite - 1046 - https://www.deutec.at/modellflug/lokomotiven/1046-kmb/e1046_umpol.html
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