Projekt 2026-208114L

LIMA 208114L - V 188

Stichworte: Gehäusereparatur, technische Wartung, Neuverkabelung, Reparatur der Tenderkupplung

Erwerb

Diese Doppel-Lok wurde sehr günstig per Preisvorschlag auf ebay erworben, es gab nur unscharfe Fotos und keine detaillierten Informationen - man musste also einige Probleme erwarten.. und wir sollten diesbezüglich nicht "enttäuscht" werden ;)

Doch um welche Lokomotive handelt es sich eigentlich?

Dieses Modell der V188 002a/b ist bereits etwas älter und wurde vom Hersteller LIMA um das Jahr 1979 in dieser Version erstmals veröffentlicht, wie man in Katalogen Ende der 70er/Anfang der 80er nachschlagen kann [1][2]. Im internationalen Katalog von 1978 fand man jedoch bereits die Militär-Version dieser mächtigen Doppellokomotive welche wohl baugleich war [3].

Nach der Lieferung wollen wir nun erst einmal den Zustand unserer Lok begutachten und evaluieren, was gemacht werden muss, um sie wieder flott zu bekommen.

Diagnose

Die ersten Impressionen bestätigten die Vermutung, dass es viel zu tun gibt - vor allem optisch war das Gehäuse nicht mehr neuwertig, es gab mehrere geklebte Brüche und Farbfehler. Auch die Lichter waren unverständlicherweise weiss bemalt und somit künstlich lichtundurchlässig gestaltet worden. Ausserdem waren drei Puffer abgefallen - der vierte Puffer war festgeklebt.

Die Tenderkupplung schien auch nicht mehr ganz die Original-Verbindung zu sein - zumindest waren die beiden Schraubenköpfe verschieden.. ausserdem kamen Kabel aus den Befestigungslöchern welche ursprünglich für das Gehäuse gedacht waren und machten die Verbindung zwischen den Doppellok-Hälften praktisch untrennbar. Verschmutzungen und Kontamination war überall zu sehen - ebenso unschöne Verfärbungen und Geruchsentwicklung von alten Schmierstoffen.

Überraschenderweise nahm die Lok jedoch noch Strom auf und lief sogar zeitweise, wie ein kurzer Test zeigte - zumindest der Motor schien also noch halbwegs intakt zu sein [4].

Zum Motor mussten wir jedoch erst mal Zugang bekommen: Das grösste Problem mit dem Gehäuse schien nämlich die Tatsache, dass es nicht abnehmbar war. Es waren keine Schrauben an der Unterseite mehr vorhanden welche dafür vorgesehen waren, saß jedoch an einer Seite trotzdem bombenfest - die andere Seite liess sich etwas heben bis man die in den Rahmen eingepasste Rippe erkennen konnte.

Dies bedeutet, dass das Gehäuse wohl zumindest an einer Seite am Rahmen angeklebt war - an dieser Stelle war auch ein grösserer Gehäuse-Abbruch zu erkennen welcher durch das Kleben wohl korrigiert wurde. Das Festkleben des Gehäuses an den Rahmen ist jedoch fast immer eine sehr schlechte Idee - neben dem unschönen optischen Effekt bekommt man dadurch nämlich keinen Zugang zum Innenleben der Lok mehr.

Nun mussten wir deshalb also versuchen, die Klebestelle also wieder aufzubekommen: Leider funktioniert das nur in den wenigsten Fällen, ohne etwas zu zerstören oder abzubrechen. Wir fingen also an, im Schlitz zwischen Rahmen und Gehäuse mit einem Cutter möglichst gerade hineinzuschneiden - im besten Fall wurde dabei nur die Rippe beschädigt und nicht die Außenseite von Rahmen oder Gehäuse.

Diese Hoffnung war jedoch nur von kurzer Dauer: Durch die Sprödigkeit des Klebers und die Scherkräfte des Cutters fiel nämlich sogleich der bereits geklebte Teil des Gehäuses wieder ab. 

Diesen mussten wir später wieder ankleben - aber zumindest konnten wir somit das Gehäuse aufmachen. Das Innenleben brachte viele Modifikationen zum Vorschein welche der Vorbesitzer wohl als Verbesserungen einbauen wollte - unter anderem einige Ballastgewichte und zusätzliche Kabel, welche wohl die Stromübertragung von einem in den zweiten Teil der Lok zuverlässiger machen sollten: Die ursprüngliche Stromleitung lief nämlich wohl über die metallische Kuppelstange und war deshalb sehr unzuverlässig und fehleranfällig.

Nun wird auch etwas klarer warum der Vorbesitzer das Gehäuse mit dem Rahmen verklebt hatte: Die Befestigungslöcher im Rahmen wurden nämlich nicht nur als Durchführung der zusätzlichen Kabel verwendet - sie hatten auch kein Gegengewinde im Gehäuse mehr: Diese wurden nämlich zugunsten mehr Platz für Ballastgewicht einfach abgebrochen.

Unter den rosa Schrumpfschläuchen befanden sich teils verzwirbelte Litzenverbindungen, teils verlötete Kabel - an einigen Stellen konnte man auch Einbrennstellen in den schwarzen Hartplastik-Rahmen erkennen - und zwar dort, wo wahrscheinlich ein Lötkolben zu nah am Plastik angesetzt wurde.

Das Gehäuse des zweiten Teils der Doppellok liess sich problemlos durch Entfernen von zwei Schrauben abnehmen. Auch hier befanden sich viele zusätzliche Ballastgewichte, und die Gegengewinde der Verschraubung waren teilweise entfernt worden.

Nun stand also fest, dass wir viel Arbeit vor uns hatten - zunächst mussten wir uns wahrscheinlich neue Gehäuse organisieren, danach alles säubern, neu verkabeln und die Kupplung zwischen den beiden Lokhälften wieder instandsetzen.

 

Es sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass viele Modellbauer die Lok in diesem Zustand wahrscheinlich als "Schrott" oder "Ersatzteilspender" bezeichnen würden welche es nicht mehr wert ist, instandgesetzt zu werden - vor allem, da sie auch von einem Hersteller kommt welcher nicht unbedingt als "hochwertig" einzustufen ist. Diese Meinung hat angesichts der gefundenen Mängel durchaus seine Berechtigung: Jeder muss für sich entscheiden, ob sich der Aufwand schlussendlich noch lohnt. Wir haben uns jedoch bewusst dazu entschieden, die Lok zu restaurieren - einerseits aus Prinzip, andererseits als kleine Herausforderung, eine Lok in solch schlechtem Zustand wieder instandgesetzt zu bekommen - bei solchen Projekten kann man üblicherweise nämlich auch am meisten lernen :-)

 

Instandsetzung des Gehäuses (Teil 1)

Bevor wir uns mit dem Gehäuse befassen konnten mussten wir erst einmal die Klebereste auf dem Rahmen entfernen damit man später wieder ein normales Gehäuse darauf installieren konnte. Dies ging zunächst mit einem Cutter ganz ordentlich - um in die kleine Fuge hineinzukommen musste aber schlussendlich doch ein Bohrschleifer her: Mit einer kleinen Trennscheibe konnte man die Nut dann vollständig ausfräsen und vom Kleber befreien.

Um ein Ersatzgehäuse für genau dieses Modell zu finden braucht man schon etwas Glück. Man findet immer wieder mal unlackierte Gehäuse welche wohl mal als Ersatzteile vertrieben wurden - diese muss man jedoch grundieren, lackieren und schlussendlich auch noch mit passenden Decals versehen. Die gibt es beispielsweise von modellbahndecals.com [5]. Dies ist zwar möglich, jedoch sehr zeitraubend und auch etwas teuer.

Manchmal hat man jedoch tatsächlich Glück: Auf ebay wurde nämlich just zur Zeit unserer Suche ein Gehäuse genau dieser Lok zu einem relativ moderaten Preis verkauft - was wahrscheinlich daran lag, dass auch dieses Gehäuse gebraucht und nicht perfekt war.. laut Fotomaterial jedoch allemal besser als jenes Gehäuse, das wir zur Verfügung hatten.

Gesagt, getan - die beiden Gehäuse wurden bestellt und stellten sich als ganz passabel heraus, welche jedoch auch ein paar Mängel hatten. Einer davon war, dass einer der transparenten Fenstereinsätze festgeklebt war und nebenbei auch noch ein Fenster mit Kleber verschmiert hatte. Hier sollte es jedoch möglich sein, den Einsatz unseres Gehäuses wiederverwenden welcher noch in gutem Zustand war.

Um die noch intakten Plastikeinsätze herauszubekommen musste man sie zunächst seitlich herausdrücken und dann circa einen halben Zentimeter nach hinten schieben: Dadurch werden dann die Spitzenlichter vom Gehäuse separiert, und man kann den transparenten Einsatz herausnehmen.

Danach werden sie einige Zeit in einer milden Seifenlauge eingelegt und mit einer Zahnbürste und Wattestäbchen nachgereinigt. Achtung: Die Klarteile dürfen nicht mit anderen, lackierten Teilen zusammen eingelegt werden! Andernfalls kann es sein, dass sich die transparenten Teile einfärben weil sich oft auch etwas Farbe ablöst.

Um die aufgemalte weisse Farbe von den Lichtern abzubekommen verwenden wir schliesslich noch etwas Terpentinersatz.

Was passiert übrigens, wenn man ein altes Gehäuse mit relativ preiswerter Lackierung 2 Tage lang in Seifenlauge einlegt? Erstmal kann es sein, dass sich weitere geklebte Stellen lösen oder spröde Teile abbrechen - unserem Fall ein Frontlicht, das wir wieder ankleben mussten. Ausserdem sieht man in unserem Fall, dass die Farbe deutlich blasser wird - dadurch hat man das Gehäuse quasi gealtert, was von der Optik her durchaus erwünscht sein kann.

Jetzt müssen wir noch den eingeklebten Transparent-Einsatz aus dem neuen Gehäuse herauslösten - trotz grosser Vorsicht gelingt das nicht ohne diverse Absplitterungen rund um die Klebestelle. Später wird dieser Einsatz dann in unser "gealtertes" Gehäuse eingesetzt werden und kann dann bei dieser Gelegenheit wieder zusammengeklebt werden.

Dann werden die alten Klebereste innen am Gehäuse entfernt bevor der intakte Transparenteinsatz wieder hineingeschoben wird.

Ein weiteres Manko der neuen Gehäuse sind altersbedingte Risse in den Plastikgewinden der Gehäuse-Befestigung. Dies passiert ebenfalls durch alters-bedingte Versprödung oder oftmaliges Aufmachen der Schraubverbindung. Hier verwenden wir Plastik-Sekundenkleber um alle Risse so gut wie möglich zu korrigieren: Er wird direkt auf die Risse aufgetragen, anschliessend wird der Riss mit einer kleinen Zange zusammengehalten bis sich der Kleber verfestigt hat. Dies kann funktionieren oder auch nicht - wir werden es spätestens merken, wenn wir später wieder Gehäuseschrauben einsetzen.

Nun sind die Gehäuse einsatzfertig und passen auch wieder passgenau auf die Rahmen hinauf. Damit können wir uns nun zunächst der technischen Instandsetzung widmen - bevor wir dann am Ende des Projekts nochmals mit dem Gehäuse auseinandersetzen müssen.

Reinigung und Wartung

Zunächst werden alle Kabel mit mangelhaften Lötstellen abgemacht. Dabei bietet sich an, den Aufbau zuvor zu fotografieren damit man weiss, wie die ursprünglichen Leitungen gelegt wurden - auch hier jedoch ist es ohne Vergleichslok schwierig, zu bewerten ob die Verkabelung von Werk aus so gewollt war oder vom Vorbesitzer bereits modifiziert wurde (wir tippen hier eher auf letzteres).

Der Motor ist bei diesem Modell überraschenderweise nur eingeklipst: Man kann ihn also entfernen indem man die beiden Plastikpins des Motorgehäuses aus den Aufhängungen einfach herauszieht. Dazu muss man die beiden Aufhängungen, welche Teil des Rahmens sind, einfach vorsichtig aufspreizen.

Den Motor selbst kann man öffnen indem man die beiden seitlichen Schrauben aufmacht. Danach muss man aufpassen, dass man die beiden Spiralfedern mit den Kohlen nicht verliert welche sich unter den Stromfedern mit den Lötstellen befinden und auf dem Anker des Motor schleifen. Auf dem Anker selbst sieht man auch deutliche Schleifspuren der Kohlen: Diese können mit einem Glasfaserstift abgeschliffen werden.

Auf der anderen Seite des Motorgehäuses befinden sich dünne Zahnräder welche von einer Metallfeder in Position gehalten werden. Nach dem Lösen der Feder kann man die Zahnräder entfernen und von altem Schmierstoff befreien bevor sie in ein SR24 Modellbahnöl-Bad kommen.

Die Räder und Achsen gehören ebenfalls gereinigt.. davor muss man sie allerdings abziehen, um sie aus dem Rahmen zu bekommen. Auch hier reicht ein Radsatz-Richtgerät, wie beispielsweise jenes von Fohrmann [6], völlig aus - wenn sich die Räder nicht sogar mit den Händen von den Achsen lösen lassen, die Presspassung lässt mit der Zeit etwas nach. Die Achsaufnahmen im Rahmen können mit dünnen Wattestäbchen sauber gemacht werden.

Die Räder sind übrigens Speichenräder mit Aufnahmen für Kurbelbolzen, wie sie typischerweise auch bei Dampflokomotiven verwendet werden - LIMA hat da vielleicht etwas Geld für die Entwicklung neuer Radsätze gespart. Zahnräder des Getriebes sind innen auf den Rädern aufgeklebt.

Nach dem obligatorischen SR24 Ölbad werden aller Kleinteile werden diese noch etwas nachgereinigt - anschliessend wird alles wieder zusammengebaut, angefangen mit dem Motor. Dabei muss man wieder aufpassen, dass die beiden Kohlen auf den Spiralfedern landen.

Die Lagerstellen der Ankerwelle werden mit Spezialöl geschmiert, und der zylinderförmige Permanentmagnet kommt wieder in seine Plastikbehausung. Vor dem Verschrauben muss man dafür die Auskerbung in die dafür vorgesehene Rille stecken.

Vor dem weiteren Zusammenbau ist es immer eine gute Idee, die Komponenten zu testen: Sowohl der Motor als auch das Glühlämpchen funktionierten immer noch einwandfrei [7].

Nun werden auch noch die dünnen, schwarzen Zahnräder geschmiert welche direkt auf den Motor aufgesetzt werden - danach werden sie wieder auf der Rückseite auf die entsprechenden Plasikachsen gesetzt und mit der Haltefeder festgespannt. Auch diese Achsen bekommen vor dem Zusammenbau einen Tropfen Spezialöl ab.

Verkabelung

Die Stromabnahmefedern der Räder haben im Laufe der Zeit schon einiges mitgemacht: Sie werden so gut wie möglich zurechtgebogen und mit einem Glasfaserstift bei den Kontaktflächen abgeschliffen.. sie sollten später jedoch trotzdem noch ein paar Probleme verursachen.

Bevor wir die Räder installieren müssen wir noch ein Kabel anlöten welches andernfalls sehr schwer zugänglich wird - nämlich jenes von den Abnahmefedern zum Motorpol. Hier können wir das selbe Kabel nehmen wie zuvor - allerdings werden die Enden abgekappt und für das Löten neu abisoliert - die Länge sollte trotzdem später noch ausreichend sein.

Beim Löten dann muss man darauf achten, möglichst fern vom Hartplastik zu bleiben. Die Feder wird deshalb so weit wie möglich aus der Öse geschoben und anschliessend so fixiert, dass man mit dem Lötkolben relativ gut dazu kommt. Nach dem Löten wird die Feder wieder in Nominalposition gedreht und mit den metallischen Rastnasen in den unteren Ösen befestigt.

Als letzten Schritt vor der Installation der Radachsen werden auch die Lagerstellen mit harzfreiem Spezialöl geschmiert.

Nun können die Radsätze wieder mit unserem Richtgerät montiert werden - zunächst jener mit dem zentralen Zahnrad, dann die beiden anderen mit den angeklebten, roten Zahnrädern, und schliesslich der zahnradlose Radsatz. Hier muss man darauf achten, die Spurweite so einzustellen dass alle Zahnräder gut ineinander greifen. Dies ist nicht trivial und erfordert etwas Fingerspitzengefühl - die Abstände der Radkränze sollte dabei um die 14.0mm betragen. Auch die restlichen Zahnräder werden mit Spezialfett eingeschmiert - überschüssiges Fett kann mit Wattestäbchen entfernt werden damit die umliegenden Teile und die Schienen nicht unnötig verklebt werden.

Vor der Installation auf dem Rahmen und dem Löten von Kabeln auf dem Motor werden die Plastikteile so gut wie möglich abgedeckt - wir verwenden dazu ablösbares Kapton-Band. Dieses Band ist durch die hitzebeständige Isolierwirkung auch nützlich, um Kurzschlüssen vorzubeugen.

Der Vollständigkeit halber messen wir auch noch den Modul der Getriebezahnräder - dieser beträgt m = 0.5.

Nun müssen wir zunächst überlegen, wie wir die neue Verkabelung gestalten. Einige Kabel gingen von Stromfedern mittig der Achsen los, welche man jedoch nur für Schleifer und Wechselstrombetrieb benötigt - diese werden bei der Neuverkabelung weggelassen.

Die Kabel, welche durch die Befestigungslöcher des Gehäuses durchgeführt wurden und die beiden Doppellok-Hälften miteinander verbunden haben sollen durch etwas lösbares ersetzt werden. Dafür bietet sich beispielsweise ein Micro-Steckverbinder an welchen es in verschiedenen Ausführungen von diversen Anbietern gibt - beispielsweise auf eBay. Die günstigste Ausführung ist ein zweipoliges Kabel, welches für unsere Anwendungen reichen sollte.

Dieses Kabel ist ausgelegt für Ströme von bis zu 0.75A, welches zwar knapp an der Grenze zu sein scheint, für unsere Lok aber reichen sollte - auch wenn gerade ältere Motoren bei Voll-Last manchmal sogar mehr Strom ziehen können. Die Litzenkabel sind so dünn, dass beide Enden (und sogar der Stecker) locker durch eine Gehäuseöffnung passen.

Bei solch kleinen Kabeln ist es auch nicht notwendig, zum Abisolieren der Enden eine Zange zu nehmen: Es funktioniert üblicherweise am besten, wenn man die Isolierung einfach mit den Fingernägeln abschert nachdem man die Kabellänge (mit etwas Zusatzlänge) abgeschätzt hat und zum Löten vorbereiten möchte.

Zunächst verlöten wir jedoch noch ein paar andere Enden. Das kurze Kabel von den vorderen Stromabnahmefedern welches wir schon vor dem Montieren der Radachsen an einem Ende verlötet hatten löten wir direkt an den Motorpol. Auch hier merken wir nun wieder den Vorteil von Fotos welche wir im Laufe des Projekts regelmässig angefertigt hatten - dadurch geht kaum Information vom Original-Aufbau verloren.

Das nächste Kabel können wir, in etwas gekürzter Form, ebenfalls wiederverwenden und führt vom selben Motorpol zum Lämpchen. Diese beiden Kabel waren sehr schwierig zu löten und gewinnen daher keinen Schönheitspreis - erfüllen jedoch den Zweck.

Das andere Ende selbigen Kabels wird zunächst auf die Stromfeder der Lampe aufgequetscht.

Um bessere Ergebnisse beim Löten zu erzielen ist es fast immer hilfreich, das alte Lötzinn vor der Neuverlötung so gut wie möglich zu entfernen. Ausserdem hilft Lötpaste manchmal Wunder, welche die gleiche Funktion wie ein Flussmittel hat (das sich üblicherweise im Lötzinn befindet).

Nun wird das erste Ende der Mikro-Steckverbindung nach Kürzung des Kabels auf den anderen Motorpol verlötet.

Das zweite Ende soll zunächst zum Lämpchen geleitet werden, um ein zusätzliches Kabel für die Beleuchtung zu haben. Hier muss man auch die Führung des Kabels beachten damit es nicht mit Zahnrädern oder Rädern kollidiert - ein guter Durchstosspunkt ist beispielsweise der Zwischenraum zwischen Motorgehäuse und Zahnrad-Befestigungsfeder. Danach wird das Kabel mit der Kupferlitze des Motorpol-Kabels verbunden.

Das andere Ende der Steckverbindung muss nun mit der Stromabnahmefeder im zweiten Teil der Doppellok verbunden werden. Auch hier ist das Löten aufgrund der Nähe der Verbindungen zum Hartplastik sehr schwierig, aber möglich: Der beste Punkt ist das kleine Loch im Metallplättchen der Kupplung der Lokhälften. Hier kann man die beiden Litzen von unten einfädeln, um sie dann auf der Oberfläche des Plättchens zu verlöten.

Nun muss noch der zweite Pol des Lämpchens stromführend verbunden werden: Das kann man, wie im Original-Verkabelungsschema, gut mit einem kurzen Kabel zum Motorpol bewerkstelligen. Auch hier wird zunächst das alte Lötzinn entfernt und das Kabel danach mit Lötpaste sauber angelötet.

Nun ist alles bereit für eine erste Testfahrt: Würde die Lok nun wieder laufen?

Die Antwort ist: Ja! Sie läuft jedoch sehr schlecht und bleibt auf den Schienen laufend stehen. Nur auf dem Rollenprüfstand scheint sie etwas stabiler zu laufen [8], was auch auf verunreinigte Schienen oder Radsätze hindeuten könnte. Nach erneuter Reinigung der Radsätze sowie der Schienen, wo tatsächlich nochmals sehr viel Schmutz abging, lief die Lok etwas besser - jedoch immer noch nicht sehr zuverlässig.. Wir mussten also versuchen, die Stromabnahme punktuell noch nachzubessern.

Verbesserung der Stromabnahme

Doch wo liegt überhaupt das genaue Problem?

Manchmal kann es helfen, genau zu beobachten wann die Lok zu stottern beginnt oder stehenbleibt, und dann zum Beispiel durch Bewegen verschiedener Elemente versuchen, die Lok unter laufender Spannung wieder zum Ruckeln oder bewegen zu bringen.

In unserem Fall lief die stehengebliebene Lok wieder an, wenn man minimal mit den vorderen Stromabnahmefedern herumspielte: Diese übertragen also anscheinend nur sehr unzuverlässig Strom von den Rädern. Kein Wunder: Beide Federn waren bereits zu Beginn etwas verbogen und liegen nur punktuell an den Radinnenflächen von zwei Radflächen auf.

Eine Möglichkeit wäre, die Stromfeder durch ein entsprechendes Original-Ersatzteil zu ersetzen: Dies würde das Problem eventuell lösen, jedoch nicht garantiert. Auch hatten wir diesmal leider weniger Glück als beim Gehäuse, und konnten online keine Stromfeder als Ersatzteil finden.

Eine andere Möglichkeit wäre, eine zusätzliche Stromabnahme an anderer Stelle zu installieren. Bei dieser Lok bietet sich diese Möglichkeit geradezu an: Sie hat gleich 8 Radsätze, und im zweiten Teil der Doppellok gibt es noch sehr viel Platz. Auch hier wäre es aufgrund der Baugleichheit und Symmetrie des Rahmens das praktischste, eine zusätzliche Original-Feder einzubauen - die Befestigungsösen wären ja bereits vorhanden und sind unbenutzt.. doch solange keine Ersatzfeder verfügbar ist, können wir diese Lösung nur im Hinterkopf behalten.

Gibt es eventuell andere, vergleichbare Federn ähnlicher Grösse die wir einbauen könnten? Ein kurzer Blick in unsere Bastel- und Ersatzteilkiste brachte eine kleinere Feder zum Vorschein welche von der Geometrie passen könnte - diese könnten wir eventuell also auf dem Rahmen befestigen und anschliessend durch zusätzliche Kabel mit dem Motorpol verbinden: Es ist einen Versuch wert.

Die Feder hat bereits Befestigungsbohrungen vorgebohrt - wir müssen sie also in die korrekte Position bringen und zunächst das Gegenloch am Rahmen markieren in das später das Gewinde hineinkommt. Dies kann man am besten mit einer Stecknadel oder einem Dorn machen.

Danach müssen wir eine passende Mikro-Schraube finden - wir entscheiden uns für eine selbstschneidende, schwarze Schraube (äquivalent etwa zu M2) mit flachem Schraubkopf aus unserem Schraubenvorrat. Nun kann man das Befestigungsloch im Rahmen vorbohren und dann auf die Kerntiefe des selbstschneidenden Gewindes ausbohren. Puristen würden dies auf einer Standbohrmaschine machen - auch mit einem Bohrschleifer und einer ruhigen Hand erzielt man jedoch üblicherweise ganz gute Ergebnisse bei solch kleinen Löchern in Plastik-Materialien.

Nun kann die Schraube eingeschraubt werden - wie bereits der Name sagt ist bei selbstschneidenden Schrauben kein Gewindeschneiden erforderlich. Man muss jedoch darauf achten, dass das Loch gross genug ist - ansonsten kann es zu Rissen und Absplitterungen können (besonders bei alten Plastik-Materialien) weil das Gewinde der Schraube zu viel Material wegscheren muss.

Die Stromfeder ist jetzt mit einer Schraube positioniert - jedoch fehlt noch die Fixierung der Feder um den Drehpunkt der Schraube herum. Dazu müssen wir nun eine der Achsen abmontieren und begutachten das entsprechende Befestigungsloch in der Feder: Viel grösser als M1.2 darf die entsprechende Schraube nicht sein da sie ansonsten nicht durchpasst. Auch muss sie einen sehr flachen Kopf haben da der Schraubenkopf ansonsten mit dem Rad kollidiert - glücklicherweise finden wir solch eine Mikro-Schraube jedoch in unserem Vorrat.

Das Anreissen und Bohren erfolgt dabei vom Prozess her analog zur Schraube davor.

Jetzt müssen wir uns einen Augenblick Gedanken über die Verkabelung machen: Wie bekommen wir den Strom dieser Feder vor zum Motor? Wir könnten nun eine zweite Kabel-Steckverbindung einbauen zwischen den beiden Lokhälften einbauen. Dies ist möglich, erscheint jedoch nicht praktikabel und auch nicht notwendig. Wir werden stattdessen ein Kabel des bereits eingebauten 2poligen Kabelsteckers umleiten und die Verkabelung dadurch etwas modifizieren, sodass der Strom der zweiten Litze nun zum anderen Pol läuft.

Um Kurzschlüsse zu vermeiden müssen wir daher erst einmal den Stecker so markieren, dass die Steckrichtung der Pins in Zukunft eindeutig festgelegt ist. Dies geht am besten mit nicht-schwarzem Permanentmarker - oder temporär auch mit Klebeband.. wir verwenden dazu einfach ein bisschen Kapton.

Nun kappen wir eines des Kabel in der nicht-motorisierten Hälfte der Lok ab und löten es an die Stromfeder an. Das abgekappte Kabel wird am Ende mit etwas dickflüssigem Sekundenkleber betunkt, welcher das offene Kabelende isoliert. Das Gegenstück im motorisierten Teil der Lok kommt wieder vom Lämpchen weg und wird in Zukunft direkt an den zweiten Motorpol geleitet.

Um zwei Kabellitzen mit ungewöhnlich geringem Querschnitt leitend miteinander zu verbinden bietet sich natürlich an, sie miteinander zu verlöten und anschliessend einen Schrumpfschlauch überzuziehen. Es ist jedoch gar nicht so einfach, einen passenden Schrumpfschlauch zu finden: Wie ein kurzer Test zeigt ist selbst die kleinste verfügbare Grösse aus unserem Sortiment fast im Durchmesser zu gross, um den Schlauch sauber aufzuschrumpfen!

Aus Mangel an Alternativen sollte er hier jedoch trotzdem verwendet werden, um unsere neue Stromfeder mit einer der Steckerlitzen zu verbinden - was schlussendlich auch zufriedenstellend funktionierte.

Der damit verbundene Lötvorgang war jedoch nicht trivial - Leider kamen wir einmal mit dem Lötkolben zu nahe an das Hartplastik heran, weshalb uns die Querverbindung des Rahmens teilweise wegschmolz.. solche Unfälle passieren manchmal. Sie war jedoch glücklicherweise immer noch funktional.

Am anderen Ende des Steckverbinders wurde das zuvor an das Lämpchen angeschlossene Kabel, welches nun mit unserer neuen Stromfeder verbunden werden sollte, an den Motorpol festgelötet. Durch die gute Wärmeleitfähigkeit des Kupfers löste sich dabei auch die andere Lötstelle am Motorpol, weswegen wir schlussendlich beide dort anliegenden Kabel zusammen an den Pol löteten.

Hier gab es nun einen zweiten kleinen Unfall - wie wir erst einige Zeit danach bemerkten frass sich der Lötkolben auch hier in den Rahmen hinein - und zwar diesmal in Form einer Kerbe von aussen, was nun auch einen unschönen optischen Effekt hatte (es war kein guter Tag..).

Man kann solche Kerben bis zu einem gewissen Grad ausmerzen: Zunächst muss man das aufgeschmolzene Plastik so gut wie möglich entfernen, anschliessend kann man den Hohlraum beispielsweise mit Epoxy oder Modellbau-Spachtelmasse auffüllen und danach wieder in die ursprüngliche Form bringen. Wir verwendeten dazu Spachtelmasse, was zu einem akzeptablen, aber nicht optimalen Ergebnis führte da die Masse sehr schnell erhärtete und beim Bearbeiten etwas faserig wurde.

Schliesslich wurde die Stelle noch mit schwarzer email-Farbe überpinselt und war nun zumindest weniger zu sehen als vorher.

Nun, da die Stromabnahme verbessert wurde, sollten wir auch ein deutlich besseres Fahrverhalten vorfinden - oder?

Ein kurzer Test zeigte, dass tatsächlich ein Fortschritt erkennbar war - jedoch waren wir trotz neuer Stromabnahmefeder immer noch ein Stück weit entfernt von zuverlässigem Betrieb.

Das nächste Kapitel verdeutlicht, wie sensibel das System "Modellbahnlok" manchmal auf kleinste Veränderungen reagiert und welche Nichtigkeiten manchmal ausschlaggebend sein können, warum eine Lok trotz diverser Verbesserungen immer noch nicht optimal läuft.

Fehlersuche und Optimierung

Bei der Fehlersuche hilft es oft, systematisch vorzugehen - und ein bestimmtes Werkzeug kann dabei sehr hilfreich sein: Der Rollenprüfstand welcher es erlaubt, Loks stationär "fahren" zu lassen. Kleine Veränderungen können dadurch viel einfacher erfasst und gegebenenfalls korrigiert werden. Der Rollenprüfstand zeigte dann auch einen der Gründe, warum die Lok im wahrsten Sinne des Wortes nicht so rund lief: einige der Räder "eierten" nämlich - insbesondere eines der Treibräder direkt unter dem Motor [9].

Insbesondere bei den dünnen Zahnrädern des Getriebes hat dies auch den Effekt, dass die Zahnflanken des aufgeklebten Zahnrads nicht so mit den Flanken der benachbarten Zahnräder ineinandergreifen, wie sie sollten - die Folgen sind erhöhter Verschleiss, Geräuschentwicklung und in naher Zukunft auch die Gefahr einer Getriebeblockade. Falls eiernde Räder verantwortlich für die Stromabnahme sein sollten haben diese auch in diesem Aspekt oft Probleme zu verantworten - insbesondere können am Rahmen befestigte Stromfedern dann nicht zuverlässig den Strom von den Radinnen- oder Laufflächen abgreifen. In diesen Fällen kann man versuchen, die Räder wieder abzuziehen und neu aufzupressen - und darauf zu hoffen, dass sich dann dadurch die Position verbessert.. was auch in unserem Fall gemacht wurde.

Ein weiteres Problem fanden wir durch die Nachmessung der Spurbreite jedes Achssatzes: Hier waren nämlich nach dem Aufpressen (eventuell auch durch das Problem des "eiernden" Rads mit verursacht) nicht alle Spurbreiten einheitlich. Diese sollten für ältere DC-Modelle immer so um die 14mm haben - teilweise hatten wir jedoch 13.5mm, teilweise 14.5mm eingestellt, was sich auf den Lauf und die Nivellierung der Räder auswirkte.

Auch ein Montagefehler unsererseits war dafür mitverantwortlich, dass die Räder den Strom nicht von der Schiene bekamen - sie wurden von der zentral an der Achse anliegenden Feder nämlich nach oben gedrückt, und nicht wie gedacht auf die Schiene. Dieser Fehler passierte uns unglücklicherweise auch beim motorisierten Teil der Lok, was ein erneutes Auseinanderbauen notwendig machte.

Hier sollte man sich dann auch tatsächlich die Arbeit machen, alles wieder auseinanderzubauen. Wir wollten nämlich etwas Zeit sparen, um die Feder gleich vor Ort "schnell" wieder in die richtige Position zu bringen - was schlussendlich eine arg verbogene Feder und einen im Endeffekt viel grösseren Zeitverlust zur Folge hatte.. frei nach dem Motto: Wenn man's gleich richtig macht, hat man später weniger Scherereien.

Eine weitere Fehlerquelle bei der Stromabnahme sind die Stromabnahmefedern: Ist die Federkraft zu den Rädern zu schwach eingestellt, verlieren sie manchmal den Kontakt - und leiten dadurch dann keinen Strom mehr. Dies kann dann insbesondere in engen Radien der Fall sein - die Lok bleibt dann dort einfach stehen.

Auch zu stark eingestellte Federkräfte können ein Problem sein - bis hin zur Räderblockade, wie auch dieses Video verdeutlicht [10]. In diesem Fall lag es jedoch nicht an zu stark eingestellten Federn sondern an der Tatsache, dass wir eine zusätzliche Stromfeder auf der anderen Seite eingebaut hatten - die Räder blockierten dadurch. Dies kann man, wie im Video gut zu sehen, auch dadurch kompensieren, dass man mit etwas mehr Gewicht auf den Rahmen drückt: Das ist das Prinzip des Ballastgewichts. Die Traktion (Reibungskraft) zwischen Schiene und Laufflächen der Räder wird dadurch höher, und die Achse dreht sich deshalb dann wieder, wie man in diesem Video gut sehen kann [11].

In unserem Fall werden wir deshalb vor dem Zusammenbau noch ein paar Gewichte einbauen, welche teilweise auch schon von Werk aus im Gehäuse zu finden waren. Dies ist insbesondere auch deshalb notwendig, weil unsere Lok ab Werk nicht mit Haftreifen ausgestattet ist - welche üblicherweise ebenfalls den Zweck haben, die Traktion zu verbessern und das Durchdrehen oder Blockieren der Räder während der Fahrt zu verhindern.

Schliesslich gab es noch einen anderen Grund dafür, dass unsere Lok nicht optimal lief und die Stromabnahme immer mal wieder blockierte - und das war die vom Vorbesitzer etwas improvisierte Kupplung zwischen den Lokhälften. Diese hatte nämlich zur Folge, dass der (schwerere) Vorderteil der Lok den hinteren Teil manchmal etwas "anhob", was einen Verlust der Haftung an den Schienen zur Folge hatte.

Hier mussten wir etwas mit Abstandshaltern und verschiedenen Schrauben herumprobieren, bis wir eine gute, improvisierte Lösung gefunden hatte welche die Freiheitsgrade des Systems nicht blockiert und trotzdem ihren Zweck erfüllte. Man könnte überlegen, die ganze Kupplung mit Gelenkstangen oder Kugelköpfen zu ersetzen - dafür fehlten uns jedoch passende Teile und auch die Zeit.

Damit die Steckverbinder mit den beiden Mikro-Litzenkabeln während der Fahrt in Position blieben mussten wir ebenfalls Vorkehrungen treffen und sie entsprechend festmachen. Dabei muss man auch bedenken, dass die Lok um die Kurve fährt - gleichzeitig sollen die Stecker und Kabel aber natürlich nie in die Nähe der Schiene oder der benachbarten Räder kommen.

Als Lösung nahmen wir wiederum jeweils einen Tropfen dickflüssigen Sekundenkleber her und klebten die Kabel innen am Rahmen fest - und zwar direkt oben an der Durchstoss-Öffnung. Diese Fixierung dient dann auch als Zugentlastung für die Kabel und die dahinterliegenden Lötstellen.

Nun wollen wir noch eines der Gewichte wieder einsetzen welches wahrscheinlich, aufgrund der Passgenauigkeit, schon ab Werk in der Lok verbaut war - nämlich ein L-förmiges Ballastgewicht im motorisierten Wagen. Dieses war augenscheinlich schon einmal festgeklebt worden, wie alte Klebespuren zeigen.

Etwas ist jedoch im Weg - nämlich das Kupferlitzen-Kabel, welches der Vorbesitzer vom Motorpol zur Lampe eingeklebt hat. Dieses ist nicht nur ungünstig positioniert, sondern lässt sich auch nur schwer löten - weswegen wir entschieden, es herauszunehmen und zu ersetzen. Die Klebestellen des Kabels werden anschliessend so gut wie möglich entfernt.

Nun wird das Gewicht eingeklebt und danach ein neues Kabel vom Motorpol zur Lampe verlegt - diesmal nicht quer, sondern längs am Gewicht vorbei. Anschliessend werden beide Enden verlötet.

Nun sind alle technischen Optimierungsarbeiten am Innenleben der Lok abgeschlossen, und alle grösseren Fehler hoffentlich gefunden.

Als nächsten Schritt wollen wir auch noch ein paar Gewichte im Gehäuse der Lok verbauen welche anscheinend ebenfalls zur Lok dazugehören.

 

Instandsetzung des Gehäuses (Teil 2)

Bevor wir versuchen, das Gehäuse zu verwenden müssen wir uns an eine Modifikation erinnern die wir zuvor durchgeführt haben - nämlich den Einbau der Mikro-Steckverbindung zwischen den Lok-Hälften, inklusive der Kabeldurchführung durch jeweils eines der Gehäuse-Befestigungslöcher. Würden wir das Gehäuse nun also auf den Rahmen setzen, würden diese Kabel ziemlich sicher beschädigt oder abgekappt werden - wir müssen nämlich das Gegenstück, den "Stummel" mit dem Gewinde innendrin, zur Befestigung zunächst entfernen. Als Konsequenz kann das Gehäuse in Zukunft natürlich nur noch mit 3 Schrauben am Rahmen befestigt werden - ein Manko, das man für solch eine Verbesserung gerne in Kauf nimmt.

Dies geht am besten mit dem Bohrschleifer und einer Trennscheibe - man muss jedoch aufpassen, dass man die anderen Teile (insbesondere die transparenten Fensterteile) dabei nicht beschädigt.

Nun werden die fehlenden Gewichte eingeklebt: Ein Gewicht passt fast exakt in den hinteren Teil der motorisierten Lok hinter die Befestigungs-Stummel. Das andere Gewicht wird in den unmotorisierten Lokteil eingeklebt wo es fast genau hinter das Gehäusedach und das Klarsicht-Teil passt.

Um Sprünge und Spröd-Brüche zu vermeiden sollten man zunächst jedoch den Gussdorn abklipsen welcher sich auf der Oberseite befindet

Danach wird das Gewicht an besagter Stelle eingesetzt und sicherheitshalber festgeklebt, um Klappern zu vermeiden: Dickflüssiger Sekundenkleber ist auch hier das Mittel der Wahl.

Vor dem Aufsetzen des Gehäuses nutzen wir die Gelegenheit, noch ein kleines optisches Manko auszubessern: Die drei losen Steckpuffer, welche in der EVP der Lok beilagen, sollen ebenfalls noch auf dem Rahmen angeklebt werden.

Beim genauen Hinschauen handelt es sich bei den vier Puffern um zwei verschiedene Arten: Gewölbte und flache Puffer. Die Bedienungsanleitung unserer Lok konnte leider nicht gefunden werden - sowohl die Bedienungsanleitung einer anderen V 188 von ROCO als auch die darin enthaltenen Original-Fotos der V 188 bestätigen jedoch, dass es jeweils einen gewölbten und einen flachen Puffer pro Stirnseite geben sollte - und zwar immer die "flache" Version linkerhand, und die gewölbte Version rechterhand in Fahrtrichtung.

Ein kurzer Check zeigt, dass der vierte Puffer vom Vorbesitzer glücklicherweise richtig angeklebt wurde. Die restlichen Puffer wurden nun ebenfalls befestigt - diesmal mit handelsüblichem Kunststoffkleber mit Dosier-Kanüle.

Nun wurde das Gehäuse wieder aufgesetzt - dieses passte glücklicherweise perfekt.

Was uns noch fehlte waren die Befestigungsschrauben - hier bot unser Sortiment selbstschneidende M2.5 Kreuzkopf-Senkschrauben der richtigen Länge an welche an den verbleibenden 6 Stellen verbaut werden konnten. Während der Montage jedoch konnte man leider schon diverse Knack- und Splittergeräusche vernehmen welche darauf hindeuteten, dass sich die geklebten Stummel wieder aufgesplittert hatten.

Der Verdacht erhärtete sich weiter, als während einer Testfahrt ein unbekanntes Teil von unten aus der Lok fiel - es handelte sich dabei wohl um ein Teil des Befestigungsstummels im Gehäuse. Nun mussten wir die Lok wieder öffen und sahen, dass die Klebestellen des Gehäuses der motorisierten Lok tatsächlich alle wieder aufgebrochen waren.

Jene Stummel des unmotorisierten Teils hatten zwar allesamt leichte Risse, waren jedoch noch dran. Das deutete darauf hin, dass nicht die Schraube selbst die Ursache war, sondern die Versprödung infolge des Klebers, welche beim Hineinschrauben der Schrauben wohl zum Aufbrechen der Verbindung führte - eventuell war auch zu viel Kleber in die Gewindegänge geraten und hat dann dadurch hohe Scherkräfte verursacht.

Die abgebrochenen Stummel wurden alle wieder aus dem Gehäuse und dem Rahmen gefischt. Jetzt mussten uns überlegen, wie wir das wieder hinbekommen könnten - und dabei boten sich zwei verschiedene Ansätze an.

Der erste Ansatz konnte für die noch mehr oder weniger intakten Stummel des unmotorisierten Teils verwendet werden: Passgenaue ABS-Hartplastikhülsen (welche man in verschiedenen Grössen im Handel kaufen kann) können über die Stummel geschoben und festgeklebt werden. Dadurch werden die Stummel also quasi von aussen verstärkt und robuster gemacht.

In unserem Fall passten die Hülsen mit Innendurchmesser 3mm perfekt auf die Stummel und wurden mit Plastikkleber verleimt. Dies funktioniert jedoch nur, weil es genügend Platz nach aussen hin gibt - im antriebslosen Wagen sind ja kaum Gewichte und Kabel verbaut.

Für den motorisierten Wagen mussten wir einen anderen Ansatz verfolgen, welcher etwas arbeitsintensiver ist - und zwar jenen mit Messing-Einsätzen. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen und Geometrien.

Ein Produkt, das ursprünglich gar nicht für diesen Zweck hergestellt wurde, ist der Abstandshalter von PCB-Platinen: Diese Abstandshalter bestehen aus einem Hohlgewinde und einem Gewinde-Aufsatz und können dadurch auch als Gewinde-Verlängerung verwendet werden. In unserem Fall sollen sie, richtig dimensioniert, die Plastik- Stummel des Gehäuses 1:1 ersetzen.

Als passendsten Ersatz stellte sich ein M2-Abstandshalter mit 10mm Länge heraus: Dieser soll in unser Lok-Gehäuse eingeklebt werden.. davor müssen wir das Gehäuse jedoch erneut modifizieren.

Diesmal müssen die verbleibenden, zerbrochen Stummel abgekappt werden - und zwar um mindestens 10mm, wie man beispielsweise mit einem Marker gut sichtbar markieren kann.

Idealerweise werden die Stummel dann abgesägt oder mit einer Trennscheibe abgetrennt - dies ist jedoch aufgrund der Nähe zu den Transparent-Teilen und dem bereits verklebten Gewicht gar nicht so einfach. Wir entschieden uns deshalb dazu die Stummel einfach mit einer kleinen Zange abzukappen, was zwar keine planen Bruchflächen erzeugte, aber trotzdem seinen Zweck erfüllte.

Die M2-Gewinde der Abstandshalter kann man nur sehr schwer direkt verschrauben, da sie nicht als selbstschneidend ausgelegt sind - ausserdem erhöht sich beim Versuch das Risiko, dass der Stummel wieder bricht. Es empfiehlt sich daher, das Gewinde mit einem M2-Gewindeschneider vorzuschneiden. Auch hier muss man aufgrund des spröden Materials sehr vorsichtig vorgehen und zwischendurch gegebenenfalls den Span brechen.

Nun konnte man den Abstandshalter testhalber installieren (was am besten mit einem zweiten, langen Abstandshalter als "Werkzeug" gelingt).

Das Kleben erfolgt wiederum mit handelsüblichem Universal-Sekundenkleber. Bereits während des Klebevorgangs muss man sehr darauf achten, dass die Abstandshalter gerade ausgerichtet sind - ansonsten kann die Gewindeschraube das jeweilige Loch beim Zusammenbau später nicht "finden"!

Nun sind beide Gehäuse auch innen wieder instandgesetzt und fertig zum Zusammenbau.

Dieser gestaltete sich relativ problemlos - als kleinen Schönheitsfehler müssen wir jedoch aufgrund der verschiedenen Reparaturansätze zwei verschiedene Schraubensätze verwenden, um die Gehäuse wieder auf den Rahmen zu bekommen (3x M2, 3x, M2.5 selbstschneidend). Glücklicherweise waren die Einsätze "gerade genug" eingeklebt und konnten deshalb von den M2-Schrauben entsprechend "gefunden" werden.

Da die Einsätze verklebt sind darf man jedoch die Schrauben ja nicht zu fest anziehen - ansonsten läuft man gefahrt, dass die Einsätze an deren Klebestelle wieder abreissen!

Nach einem aussergewöhnlich langen Projekt und vielen Problemen war es jetzt also Zeit für unsere finale Testfahrt - und diese brachte überraschend gute Fahreigenschaften zutage, die man so nicht erwarten durfte: Sowohl Vorwärts- und Rückwärtsfahrt also auch Licht funktionierten einwandfrei in allen Bereichen [12].

Es hat sich also vielleicht doch ausgezahlt, diese Bastlerlok nicht aufzugeben und wieder etwas Glanz aus ihren besten Tagen zurückzugeben ;)

~HS~

Referenzen

[1] Screenshot - LIMA-Katalog 1979 - https://www.youtube.com/watch?v=_EeEFfr1EQM

[2] Scan von italienischem LIMA-Katalog 1980

[3] Screenshot - Internationaler LIMA-Katalog 1978/79 - https://www.youtube.com/watch?v=A_OsvgS45UA

[4] LIMA V188 - Erster Testlauf - https://www.dropbox.com/scl/fi/jujtp1wibo7kxf5hjx6ma/V188-Testlauf-vor-Instandsetzung.mp4?rlkey=5i30d69pv56gknd9a3gz0xxfe&st=438um58q&dl=0

[5] V188 Decals - https://www.modellbahndecals.de/Decals-Loks/Komplettbeschriftungen-90/Epoche-120/DB-Dieselloks-200/-Nassschiebebilder--Lok-Komplettbeschriftung-V-188--Doppel-Lok---DB--Epoche-3--Artikel-Nummer--7858-.html

[6] Fohrmann Werkzeuge - Radsatz-Richtgerät - https://www.fohrmann.com/de/radsatz-richtgeraet-fuer-modellbahn-spur-h0.html

[7] Motortest vor dem Zusammenbau - https://www.dropbox.com/scl/fi/4j0x927b1kn0tsetptmvn/V188-Motortest-vor-Zusammenbau.mp4?rlkey=ic9x5y16p0mcc0nlqr9h6qixl&st=twpppnb9&dl=0

[8] V188 - Testfahrt auf dem Rollenprüfstand - https://www.dropbox.com/scl/fi/j5ciii0zuiawoxpls8bxj/V188-Testfahrt-auf-Rollenpr-fstand.mp4?rlkey=bigf1co1e4l0jx6phzt2wjyjn&st=0j5iknep&dl=0

[9] V188 - Eierndes Treibrad - https://www.dropbox.com/scl/fi/0p1g8qk8y8s3kx3f29c6z/V188-Eierndes-Treibrad.mp4?rlkey=yfs7r0iid9safuiemxu9q2yj4&st=jgmnn9o6&dl=0

[10] V188 - Blockierte Räder - https://www.dropbox.com/scl/fi/dx9ghsnuahcodledq7xw7/V188-Blockierte-R-der.mp4?rlkey=py98gbgdw1r61y8a3hchlwkbh&st=z75nyqhy&dl=0

[11] V188 - Lauftest mit Gewichten - https://www.dropbox.com/scl/fi/654upnbt39zwnk96a39nz/V188-Lauftest-mit-Gewichten.mp4?rlkey=arybx6kz2byhjfh2z3wnp64o3&st=505nbhdp&dl=0

[12] V188 - Finale Testfahrt - https://www.dropbox.com/scl/fi/80bk5pm6091ekh87pg3dp/V188-Finale-Testfahrt.mp4?rlkey=hr5nlhfdendqbc501mhg41yqp&st=2stz3tfb&dl=0

 

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