Projekt 2026-41200
Roco 41200 - ICE 2
Stichworte: Zugkraftverlust, Geplatzte Kardankugeln, Wartung, beschädigte Befestigung der Stromfedern
Erhalt
Die Reparatur dieses Triebkopfes eines ICE 2-Zugs war ein Kundenauftrag: Bei Steigungen und Lasten gab es massiven Zugkraftverlust - wir sollten uns also vor allem den technischen Zustand also etwas genauer ansehen und bei Bedarf dann reparieren.
Doch um welchen Triebzug handelt es sich eigentlich?
Dieser spezielle Triebkopf eines ICE 2 mit der Betriebsnummer 402 001-2 war Teil eines Anfängersets "Digital ist cool" - und damit eines der ersten digitalen Sets, die jemals von Roco vertrieben wurden. Im Hauptkatalog 1995/96 erstmals erwähnt [1], war dieser Triebzug "speziell für Kinder" im Maßstab 1:100 entwickelt worden und kam mit kompletter Digital-Zentrale, Schienen und sogar mit Sound-Funktion einer Lokpfeife [2]. Gesteuert wurde alles von einem Roco/Lenz-Controller ("Digital Lokmaus") welcher immerhin die Ansteuerung von 8 verschiedenen Loks ermöglichte.
Da es sich um ein sehr altes System handelt sind Defekte wohl nicht ungewöhnlich - nun wollen wir erst mal schauen, ob sich der Triebkopf ansteuern lässt.
Diagnose
.. und die Antwort war - nein! Außer einem lauten Knacken war beim Ansteuern des Zuges nichts zu hören oder zu sehen. Bei solch älteren Modellen von ICE-Triebzügen muss man übrigens aufpassen, dass man keinen Kurzschluss verursacht: Die inneren Räder der Drehgestelle touchieren nämlich leicht das Ballastgewicht wenn man den Zug beispielsweise aufgleist oder über große Steigungen fährt: Ein Konstruktionsfehler von Roco welcher wohl schon so manchem Decoder das Leben gekostet haben könnte
Dies war jedoch glücklicherweise nicht der Grund, warum sich der Decoder nicht ansteuern ließ, stattdessen war der Grund ein technischer: Solch alte Decoder ließen sich nämlich nur mit 14 Fahrstufen ansteuern, und standardmäßig steuern modernere Kontrollgeräte wie die Lokmaus 2 oder die Roco MultiMaus Loks mit bis zu 128 Fahrstufen an. Dies kann man jedoch manuell ändern - nach der entsprechenden Einstellung für die Lok-Adresse 2 (was beispielsweise bei der Lokmaus 2 über die Taste "P" und gleichzeitig mit der rauf/runter-Taste ) lief der Triebkopf dann problemlos über die Gleise - auch Lichtwechsel und Lokpfeife als Basis-Funktion funktionierten einwandfrei.
Der Grund für den Zugkraftverlust war dann auch schnell gefunden. Zunächst wurden alle 4 Treibzahnräder der Achsen inspiziert - keines davon war jedoch gerissen. Aufgrund des "Allradantriebs" des Triebkopfes müssten wohl auch mindestens 3 Zahnräder gerissen sein, um einen deutlichen Zugkraft-Verlust zu bemerken. Zugang zu den Achsen erhält man übrigens, indem man jeweils 3 kleine Schrauben des Achsdeckels entfernt und anschließend den Plastikdeckel abklipst.
Nun deutete alles auf ein Kopplungsproblem des Motors hin - und hier wurden wir dann auch fündig: Nach dem Abnehmen des "antiken" Decoders vom Typ Lenz Elektronic RIC215 V1 (ursprünglich wurde dieser Decoder auch in der BR 215 verbaut) konnten wir das Problem leicht nachvollziehen indem wir die Schwungmasse des Motors betätigten und den Rädern einen kleinen Widerstand durch die Finger gaben: Trotz der Blockade drehte sich der Motor durch [3]. Auch die Kardanwelle drehte sich mit - nicht jedoch die (gelbe) Schnecke [3]. Damit war das Problem auch klar: Die Kardankugel auf der Schneckenwelle war wohl geplatzt, und zwar bei näherer Betrachtung auch auf beim anderen Drehgestell: Ein sehr typisches Roco-Problem das sich dann eben durch massiven Zugkraftverlust bemerkbar macht.
Ansonsten schien der Triebwagen in sehr gutem Zustand - lediglich die Haftreifen waren etwas abgefahren, und eine Seite des Gehäuses war durch UV-Einstrahlung etwas ausgebleicht.
Ersatzteile
Nun brauchten wir erstmal ein paar Ersatzteile: Die Kardankugeln aus Plastik würden wohl wieder platzen falls Original-Ersatzteile verwendet werden - selbst Roco erkannte dieses Problem und hat für spätere Modelle andere Kardankugeln verwendet. Das Kleben der Kardankugeln könnte eventuell funktionieren - aufgrund der Scherkräfte ist jedoch damit zu rechnen, dass diese bald wieder auf der Welle lose werden und durchdrehen.
Am nachhaltigsten sind Kardankugeln aus Metall. Diese gibt es bereits für wenig Geld in ein paar verschiedenen Ausführungen beispielsweise auf ebay zu kaufen - wir benötigen Kardankugeln mit 4mm Durchmesser und 5.8mm Gesamtlänge (gemessen von einer Planfläche des äußeren "Plastikpins" zur anderen). Die zentrale Bohrung ist, je nach Messmethode, ca. 1.8mm dick, was einer "Standard-Roco-Schneckenwelle" entspricht. Je nach Ersatzteil-Modell werden die Kugeln dann aufgepresst oder mit einem Fügekleber aufgeklebt.
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Reinigung
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Reparatur
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Wartung und Instandhaltung
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Referenzen
[1] Foto aus Roco-Hauptkatalog 1995/96, S. 29
[2] Foto eines "Digital ist cool" Anfängersets 41200
[3] Durchdrehen der Motorwelle bei blockiertem Getriebe infolge einer geplatzten Kardankugel - https://www.dropbox.com/scl/fi/0g6lmr8u52jgb0t2gnvqp/ICE-Triebkopf-Test.mp4?rlkey=ali1kxbxe85t1iz6tshjkvvz0&st=t9lpi6ii&dl=0
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