Projekt 2026-86021

Bachmann Spectrum 86021 - 8-40CW

Stichworte: Rahmen-Restaurierung, gebrochene Kardanschalen, Motorblockade, Wartung

Erwerb

Diese mächtige und sehr schöne Lokomotive war Teil eines Nachlasses und fuhr leider nicht - Der Motor und/oder das Getriebe schienen zu blockieren, was viele Ursachen haben konnte.

Was dieses Projekt jedoch besonders interessant machte war die Tatsache, dass wir im Vorjahr schon mal eine Bachmann Spectrum auf dem Werktisch liegen hatte (siehe unser Projekt 2025-81202) - damals hatten wir einige Probleme gefunden, vor allem fortgeschrittene Korrosion des Rahmens, was eine Restaurierung notwendig gemacht hatte Wir waren also gespannt, ob diese Lok, welche aus der selben Serie stammte und im gleichen Zeitraum hergestellt wurde, ähnliche Probleme haben würde.

Doch um welche Lokomotive handelt es sich eigentlich?

Die GE Dash 8-40CW kam wohl um das Jahr 2003/2004 in den Handel: Die Spectrum Standard-Version tauchte im Bachmann-Katalog 2004 auf - eine von mehreren Versionen  war die "Santa Fe"-Ausführung #802 [1]. Das uns vorliegende Modell war wohl baugleich, hatte jedoch Betriebsnummer #838.

Nun wollten wir ein Bild davon machen warum die Lok nicht fuhr.

Diagnose

Optisch machte die Lok einen sehr guten Eindruck - sogar die Zurüstteile und die Anleitung waren noch dabei. Es konnte also gut sein, dass die Lok durch die lange Liegezeit (um die 20 Jahre) verharzt war: Ein erster Test auf dem Rollenprüfstand zeigte, dass die Lok Strom aufnahm und sogar das LED-Licht beim Anlegen einer DC-Spannung zu leuchten begann, die Räder sich jedoch nicht drehten [2].

Um das Gehäuse abzubekommen mussten wir zunächst  zwei mittige Schrauben an der Unterseite der Lok lösen, um Zugang zu den Halteschrauben des Rahmens zu bekommen. Nachdem man diese herausgedreht hatte konnte man das Gehäuse schliesslich vorsichtig nach oben hin abnehmen.

Hier sah man nun tatsächlich grosse Ähnlichkeit zur H16-44, sowohl vom Rahmenaufbau und auch von der Stromabnahme her welcher ja bei diesen Modellen etwas eigen ist: Man hatte wieder zwei elektrisch voneinander isolierte Rahmenhälften welche durch Plastik-Beilagscheiben und -plättchen voneinander getrennt sind. Die Stromabnahme erfolgt mittels Schleifern, die von unten auf die leitenden Rahmenhälften drücken. Das Licht ist im Gehäuse verbaut, und die Stromabnahme für die Beleuchtung erfolgt durch zwei Stromfedern welche von oben auf den Rahmen drücken.

Nicht nur von der Optik sah man Ähnlichkeiten - auch die Probleme scheinen die selben zu sein: Man konnte deutlich die übermässige Schmierung in den Getrieben erkennen - und auch die Zinkblüten-Korrosion am Rahmen ist ebenfalls wieder erkennbar, wenn auch nicht im selben Ausmass.

Beim Zerlegen des Rahmens gab es dann gleich mal das erste Problem: Die beiden Rahmenhälften werden durch insgesamt fünf selbstschneidende Schrauben in Plastik-Einsätzen zusammengehalten - wovon einer der Einsätze beim Lösen wahrscheinlich durch altersbedingte Sprödigkeit des Hart-Plastikmaterials auseinanderbrach: Hier müssen wir beim Zusammenbau dann wahrscheinlich zumindest die relativ kurz gehaltene Schraube durch eine längere Schraube ersetzen, um die Rahmenverbindung wieder funktional zu machen.

Dieses Prinzip der Verbindung ist generell sehr schwach: Die beiden schweren Hälften werden im Prinzip von einem winzigen Plastikgewinde zusammengeklemmt - hier könnte man also auf jeden Fall über Verbesserungen nachdenken: Beispielsweise eine zu den Rahmen hin isolierte Schraubenverbindung mit einer Mutter am anderen Ende, um etwas mehr mechanische Festigkeit bei Zugbelastung des Gewindes zu gewährleisten.

Nach dem Trennen der beiden Rahmenhälften kann man sehen, dass sich mehrere Isolationspunkte aus Plastik zwischen den Teilen befanden - diese durften wir nicht verlieren und mussten beim späteren Zusammensetzen wieder alle eingefädelt werden.

Der Motor mit beidseitigen Schwungmassen war durch Kardanwellen mit einer Messing-Getriebeschnecke verbunden - auch hier gab es wieder das etwas eigenwillige Bachmann Spectrum-Design zu bestaunen welches die beiden Motorpole durch Stromfedern mit dem Rahmen verbindet. Eine der Federn dürfte durch einen unsachgemässen Einbau abgeknickt sein - sie war jedoch immer noch funktional.

Bei allen Schritten bietet sich natürlich wiederum an, alles abzufotografieren um später beim Zusammenbau keine Probleme zu haben - beispielsweise die genaue Lage der Motormarkierung auf einer Seite, welche wohl "oben/unten" festlegte.

Auch nach dem Freilegen der Rahmen konnte man wieder Korrosion erkennen - und zwar anscheinend immer dort, wo die Beschichtung des Rahmens, welche wohl einen Korrosionsschutz bieten sollte, nicht hin reichte: vorzugsweise also in Ecken, Löchern, Kanten und kleinen Einfräsungen.

Nach dem Ausbau des Motors hatten wir auch die Ursache für die Blockade schnell festgestellt. Die Getriebe waren etwas schwergängig, was wohl zu einem Grossteil der übermässigen und verhärteten Schmierung zu verdanken war - der Motor jedoch war ebenfalls blockiert und liess sich nur extrem schwergängig drehen. Dies mussten wir also später noch näher untersuchen.

Die beiden Drehgestelle  konnte man durch Lösen von drei Schrauben von der Rahmenhalterung abmachen. Die Unterplatte des Getriebes sowie die beiden seitlichen Drehgestellverkleidungen waren nur aufgeklipst und konnten einfach abgezogen werden.

Auch hier zeigte sich altes Schmierfett im Überfluss das wir im Zuge der Wartung noch ersetzen mussten.

Im Gegensatz zur 8-40CW konnte man bei diesem Modell auch die Schnecke entfernen - und zwar indem man sehr vorsichtig das vordere Lager nach vorne drückt und die Schneckenachse aushebelt, beispielsweise mit einem kleinen Schraubenzieher.

Achtung: Zu viel Gewalt und Versprödung des Plastiks kann dazu führen, dass die Lagerstelle abbricht - dieser Schritt erfolgt also auf eigene Gefahr! Bei diesem Projekt jedoch war das Risiko notwendig, um die Lok wieder zum Laufen zu bringen weil wir noch eine unangenehme Überraschung finden sollten.

Die drei Radachsen liessen sich nach Abnahme des Getriebedeckels einfach nach unten herausklipsen - die beiden grossen Plastik-Zahnräder bekommt man aus dem Getriebekasten heraus indem man die metallischen Pins von der Seite herausdrückt, beispielsweise mit einem Dorn.

Bei der Inspektion der Einzelteile fanden wir nun die unangenehme Überraschung: Beide Kardanschalen der Drehgestelle, welche normalerweise auf den Schneckenwellen aufgepresst sind, hatten einen Längsriss und drehten daher auf der Schneckenwelle durch.

Das bedeutet also - selbst wenn der Motor nicht blockieren würde wäre die Lok nicht gelaufen: Der Motor hätte sich dann nämlich durchgedreht, ohne in der Lage zu sein, die Kraft auf die Schnecke und in weiterer Folge auf das Getriebe und die Räder zu übertragen.

Nun wissen wir also Bescheid, was alles gemacht gehört, um diese schöne Lok wieder zum Laufen zu bringen. Na dann fangen wir mal an!

Reparatur der Kardanschalen

Wie kann man die Kardanschalen wieder funktionsfähig machen? Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten: Man kann versuchen, Plastikteile zu kleben oder formschlüssig zu verbinden. Alternativ kann man sich nach Ersatzteilen umsehen oder, da der Teil relativ einfach gebaut ist, mit 3D-Druck arbeiten, um ein äquivalentes Ersatzteil herzustellen.

Die einfachste Möglichkeit ist die Instandsetzung mittels Kleben. Dies ist jedoch gar nicht so einfach, da es sich um ein relativ kleines Plastikteil handelt welches eine ziemlich grosse Kraft auf eine glatte Metall-Achse überträgt. Unser erster Versuch schlug gleich mal fehl: Wir probierten es nämlich mit hoch-fester Schraubensicherung welche ansonsten Metall-Metall-Verbindungen relativ zuverlässig instand setzt.

Nach Aushärtung bestand die Verbindung den Verdrehtest nicht - sie sass leider wieder locker auf der Achse.

Wenn man nicht weiter weiss ist es immer eine gute Idee, nach Erfahrungen aus erster Hand zu fragen - beispielsweise wieder mal in der "Ersatzteil- und Technikstube für Modelleisenbahnen" auf Facebook, deren Mitglieder (Stand: März 2026) sehr aktiv und immer für gute Ratschläge zu haben sind [3].

Hier wurden mehrere Spezialkleber empfohlen wobei sich vor allem 2 grundsätzliche Möglichkeiten herauskristallisierten: Sekundenkleber oder Epoxy 2-Komponentenkleber. Da Sekundenkleber deutlich einfacher in der Anwendung ist besorgten wir uns Loctite 401 welcher wohl auch derartige Metall-Plastik-Verbindungen zuverlässig verbinden mochte. Man musste die Klebung jedoch etwas vorbereiten: Die Oberflächen müssen zunächst etwas aufgerauht werden, um die zu verbindende Klebefläche zu erhöhen. Danach mussten selbige Oberflächen gereinigt und entfettet werden. Dies konnte man relativ einfach mit einer kleinen Handfeile und etwas Waschbenzin erreichen.

Beim Klebevorgang selbst musste man danach höllisch aufpassen: Nur rund 1mm von der Kardanschale entfernt befand sich nämlich die Lagerung der Schnecke! Zunächst einmal durfte man nicht vergessen, die Messing-Lagerschalen in richtiger Orientierung vor dem Klebevorgang zwischen die Kardanschalen und die Schnecke hineinzuschieben. Diese durfte durch den Sekundenkleber ja nicht berührt werden - ansonsten sass die Schnecke auf dem Getriebe fest!

Um dies bestmöglich zu verhindern wurde der Sekundenkleber NUR in der Kardanschale aufgetragen und die Welle danach in einer Bewegung möglichst gerade hineingedrückt: Dadurch konnten wir hoffentlich verhindern, dass sich Klebereste auf die Messinglager übertrugen. Dies mussten wir während des Klebevorgangs mehrmals verifizieren - und wir schienen Glück gehabt zu haben: Die Lagerungen liessen sich auch einige Minuten nach dem Kleben noch leichtgängig auf der Welle bewegen.

Im Gegensatz zur Lagerung der Schnecke sass die Plastik-Kardanschale jedoch bombenfest auf der Achse: Der Klebevorgang schien also erfolgreich gewesen zu sein.

Restaurierung des Rahmens

Mit der Restaurierung eines Bachmann Spectrum-Rahmens hatten wir schon etwas Erfahrung: Hier hat sich die Versiegelung mit Schutzlack bewährt nachdem die Korrosion zuvor oberflächlich entfernt wurde - beispielsweise mit einfachen Handfeilen.

Danach wird der Lack möglichst gleichmässig auf alle Seiten aufgetragen - aufgrund der Geruchsentwicklung am besten draussen, oder in einem gut belüfteten Raum.

Um in die Ritzen, Löcher und Spalten hineinzukommen wo sich die Korrosion ja hauptsächlich als Ausgangspunkt bildet bietet sich an, etwas Konservierungs-Lack in ein kleines Schälchen zu füllen und beispielsweise mit einem Wattestäbchen oder Zahnstocher etwas nachzutunken.

Nach einer angemessenen Trockenzeit ist der Rahmen nun wieder fast einsatzbereit: Wie eine Messung mit dem Multimeter zeigt ist der Rahmen nun auch nach aussen hin isoliert - was ja beim Konservierungslack auch ein durchaus gewünschter Effekt ist.

An einigen Stellen des Rahmens ist dieser Isoliereffekt jedoch nicht erwünscht - nämlich an den Stromabnahmestellen des Motorpols, an den Strom-Übertragungsflächen der Rad-Schleifer sowie an den Stromabnahmestellen der Lampen im Gehäuse.

Am Einfachsten wäre es wahrscheinlich gewesen, genau diese Stellen vor dem Lackieren mit dem Konservierungslack zum Beispiel mit Kreppband abzukleben: Nun müssen wir den Lack an jenen Stellen eben wieder entfernen. Mit Abbeizmittel oder Terpentinersatz war das Ergebnis eher mässig, was es notwendig machte, die entsprechenden Stellen abzuschleifen: Dies funktioniert ganz gut mit sehr feinem Handschleifpapier. Ein kurzer Test zeigt sogleich, dass die Flächen nun wieder leitend sind.

Nun kann es jedoch sein, dass sich an den abgeschliffenen Stellen später wiederum Korrosion bildet. Um dies zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen kann man an den Stellen noch beidseitig leitendes Kupfer-Klebeband auftragen. Dies sollte aufgrund der grossen Abdeckfläche auch die Stromleitung etwas verbessern, und die optische Beeinflussung ist überschaubar.

Nun ist der Rahmen wieder einsatzbereit - nun fehlt noch die Wartung aller beweglichen Teile und die Inspektion des blockierten Motors.

Wartung und Instandhaltung

Da sich der Motor kaum bewegen lässt könnte es sein, dass die Achse "festgefressen" war oder dass das Schmiermittel aufgebraucht (oder eventuell nie vorhanden) war: Man kann also zunächst immer versuchen, die Lagerungen mit dünnflüssigem, harzfreiem Öl einzuölen - und tatsächlich: Nach zwei "Runden" Spezialöl hat sich die Motorwelle etwas gelöst, und nach ein paar Umdrehungen wurde er wieder erstaunlich leichtgängig [4].

Als nächstes werden alle beweglichen Teile vorgereinigt und anschliessend in einem SR24-Modellbahnöl eingelegt damit sich die Restverschmutzungen gut lösen - anschliessend werden alle Teile mit einer Zahnbürste nachgereinigt.

Danach geht es wieder an den Zusammenbau. Hier werden wiederum alle Achsen und Lagerstellen mit Spezialöl eingeölt - die Plastikzahnräder sowie die Schnecke werden mit Spezialfett neu eingefettet. Dabei sollte man jedoch aufpassen, es nicht zu übertreiben.

Achtung beim Aufklipsen der seitlichen Drehgestell-Abdeckungen: Diese sind asymmetrisch und müssen auf die passenden Zapfen montiert werden (einer der seitlichen Zapfen ist zylinderförmig, der andere mit quadratischem Querschnitt!).

Für den Zusammenbau des Rahmens schliesslich muss auf viele Dinge gleichzeitig achten: Die richtige Orientierung aller Teile, die korrekte Positionierung aller Verbindungszapfen und der Isolierscheiben zwischen den Rahmenhälften sowie die korrekte Ausrichtung der Stromfedern der Drehgestelle: Diese müssen unten auf der Reibungsfläche des Rahmens aufliegen und dürfen dabei nicht verkanten oder verbogen werden.

Beim Einschrauben in die Plastik-Gewinde musste man sehr darauf achten, die Schrauben nicht zu fest anzuziehen - ansonsten könnten die Gewinde nämlich kaputt werden und die Rahmenhälften dadurch nicht mehr zusammenhalten..

Die kaputte Schraube wurde dabei durch eine neue, längere Schraube ersetzt und der Verbinder mit dem Plastikgewinde mit Kapton-Tape umwickelt damit er während des Einschraub-Vorgangs korrekt positioniert blieb.

Schlussendlich musste nur noch der Rahmen aufgesetzt werden bevor die untere Plastik-Platte wieder aufgeschraubt werden konnte: Unsere Lok war nun wieder komplett.

Nun war es Zeit für die finale Testfahrt: Würde alles wieder so funktionieren wie vorgesehen?

Lichtwechsel, Vorwärts- und Rückwärtsfahrt waren tatsächlich fast einwandfrei - die Lok war also nun wieder instandgesetzt [5].

Ein kleines Manko jedoch blieb: Dieses war das relativ laute Getriebe, vor allem bei Langsamfahrt. Vor allem bei älteren Bachmann-Loks scheint dies jedoch ein bekanntes Problem zu sein, wie mehrere einschlägige Foren-Einträge nahelegen [6]. Ein Eintrag zeigte sogar ein Video von einer baugleichen Lok welche ebenfalls ähnliche Geräusche von sich gab [7] - laut anderen Forenmitgliedern lag dies entweder an Rissen in Getriebeteilen, an der Feinjustierung der Schnecke, oder an mangelnder Schmierung.. nicht wenige Teilnehmer verweisen auch auf die vergleichsweise minderwertige Qualität von Bachmann-Loks an sich.

Hier könnte man in Zukunft noch gezielter nach der genauen Ursache suchen und diese finden oder auch nicht - solange man sich jedoch nicht am relativ lauten Betriebsgeräusch stört war diese wunderschöne Lok nun wieder voll einsatzbereit.

~HS~